Ästhetik im Zwielicht

Liessmann, Konrad Paul (2003) Ästhetik im Zwielicht. In: UNSPECIFIED Wiener Universitätsverlag, pp. 11-20.

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Abstract

In den ästhetischen Diskussionen und Diskursen der letzten Jahre und Jahrzehnte hat sich zweifellos ein beachtlicher Wandel vollzogen. Fragen, die vor noch nicht allzu langer Zeit die Gemüter bewegten wie die nach den Möglichkeiten einer radikalen ästhetischen Wahrheit oder einer politisch engagierten Kunst sind aus dem allgemeinen Bewußtsein geschwunden, die ehemaligen künstlerischen und philosophischen Anvantgarden sind entweder zu Klassikern oder zur Nachhut geworden, dafür aber sind andere Themen wie die Vernetzung von Kunst und Markt, die Theorie und Praxis der neuen Medien und der Siegeszeug einer globalen Popularkultur in den Vordergrund getreten. Am entscheidendsten dürfte aber eine Diskursverlagerung sein, die mit der sukzessiven Abkehr von einem traditionellen Kunstbegriff zu tun hat und nicht mehr das Kunstwerk, auch nicht den künstlerischen Akt, sondern die Entgrenzung jedes Kunstanspruchs und damit das weite Feld des Ästhetischen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Nicht mehr die Werke und Künstler stehen im Mittelpunkt solcher Überlegungen, sondern jene teils komplexen, teils einfachen Wahrnehmungen und Erfahrungen, die man im Umgang mit Kunst, aber auch mit Dokumenten der Popularkultur und alltagsästhetischen Phänomenen machen kann. Das schlägt natürlich zurück auf die ästhetische Theoriebildung: "Eine Ästhetik, die vom Begriff der Erfahrung ausgeht, kann nicht auf eine Theorie der Kunst beschränkt, ja, nicht einmal mehr um eine Theorie der Kunst zentriert bleiben. Denn sobald die Werke der Kunst aus der Perspektive der Erfahrung in den Blick genommen worden waren, mußte deutlich werden, daß es eine Vielzahl nicht-künstlerischer Gegenstände gibt, an denen sich Erfahrungen machen lassen, die mit den an de Kunstwerken gemachten hinreichend viel gemeinsam haben, um sie unter demselben Begriff des Ästhetischen einzuordnen." In diesem Zusammenhang machten dann auch Begriffe wie ästhetische Erfahrung, ästhetische Wahrnehmung oder eine Ästhetik der Existenz und Lebenswelt ganz beachtliche Karrieren, wurde der ästhetische Reiz von Alltagsgegenständen, Mode, Design, Medien, aber auch von Kitsch und Trash entdeckt und gefeiert. Erstaunlich allerdings, daß dabei einer zentrale Kategorie der klassischen Ästhetik, die diese Wendung zum aufnehmenden Subjekt jenseits eines eng dimensionierten Kunstbegriffs schon einmal vollzogen hatte, kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde: der Kategorie der Empfindung.

Item Type: Book Section
Subjects: Philosophie > Philosophische Institutionen > Institut für Philosophie, Wien
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Ästhetik, Kunstphilosophie
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 24 Apr 2006
Last Modified: 08 Sep 2011 18:51
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/1012

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