Verfolgung durch den Anderen. Zu Emmanuel Levinas' Ethik des Verdachts

Bedorf, Thomas (1994) Verfolgung durch den Anderen. Zu Emmanuel Levinas' Ethik des Verdachts. UNSPECIFIED. (Unpublished)

[img] HTML
levinas.html

Download (102kB)

Abstract

Die Frage nach dem Guten gehört zu den klassischen Themen der Philosophie. Bei den Griechen war das Gute eingebunden in ein allem Handeln innewohnendes Streben, das einer eigenen Problematisierung nicht bedurfte. Über die Kantische Pflichtethik, den Utilitarismus, die Hegelsche Sittlichkeit und den Prgamatismus bis zur Diskursethik ging man bei allen Differenzen von der Voraussetzung eines wie immer genannten Subjekts aus, das über eine gewisse Handlungsfreiheit verfügt. Nietzsche war der erste, der nach den stillen Voraussetzungen dieser Moralkonzeptionen fragte. Auch Levinas fragt nach den Grundlagen der Ethik, nach der Herkunft von Moral und unterläuft so auch die skeptische, jede Unterscheidung von gut und böse in Zweifel ziehende Frage, warum ich denn überhaupt verantwortlich sein solle. In dieser Frage stecken bereits nicht hinterfragte Voraussetzungen. "Warum betrifft mich der Andere? Was geht mich Hekuba an? Bin ich der Hüter meines Bruders? - diese Fragen haben nur Sinn, wenn man bereits zur Voraussetzung gemacht hat, daß das Ich sich nur um sich sorgt, nur Sorge ist um sich selbst." Da es ihm um eine Art Genealogie der Moral geht und um die Frage, wo das Ethische überhaupt seinen Platz hat, beansprucht er auch nicht, eine neue Ethik zu entwerfen und hebt sich dadurch radikal vom grassierenden "Ethikbedarf" ab. "Meine Aufgabe besteht nicht darin, die Ethik zu konstruieren; ich versuche lediglich, ihren Sinn zu finden." Denn die "ethische Situation der Verantwortung läßt sich nicht von der Ethik her verstehen." (AQ 268, frz. 154). Levinas geht es daher nicht um eine Analyse moralischer Normen, sondern um den Aufweis gesellschaftlicher Ansprüche überhaupt. "Tatsächlich erscheint das Ethische hier weniger als eine Kategorie der Praxis denn als eine Bedingung der Möglichkeit, eine Voraussetzung, als ursprünglicher Horizont jeden gesellschaftlichen Lebens." Mit den Fragen, die Levinas stellt, ist auf die Ethik und ihre Verwertungsformen ein Verdacht gefallen, herkömmliche Übereinkünfte werden in Frage gestellt. Levinas sucht die Grundlagen des Ethischen in einer Form, die immer schon das Handeln bestimmt, in Ansprüchen, auf die wir zu antworten haben: einer Art "responsive[n] Ethik". Ihre Grundzüge werden in einem ersten Ansatz dargestellt.

Item Type: Other
Uncontrolled Keywords: Levinas, Ethik, Verantwortung, Tod
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Ethik und Sozialphilosophie, Rechtsphilosophie
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 05 Nov 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/127

Actions (login required)

View Item View Item

Downloads

Downloads per month over past year