Die Metamorphosen als intertextuelles Prinzip

Reber, Ursula (2002) Die Metamorphosen als intertextuelles Prinzip. In: UNSPECIFIED UNSPECIFIED. (Unpublished)

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Die Metamorphosen als intertextuelles Prinzip 1. Antike Intertextualität im Spannungsfeld von aemulatio und imitatio Ein antikes Werk steht in nahezu keinem Fall für sich, sondern ist immer die Antwort auf einen Vorgängertext in variierender, fortführender, antithetischer etc. Manier. Dies macht sich nicht nur in der begrenzten Stoffwahl merkbar, die meistenteils aus dem mythischen und heroischen Bereich schöpft und sich für Modernisierung und Aktualisierung auf Stil, Ideolekt und Ambiente beschränkt, sondern auch in der Gattungs- und makrostilistischen Wahl. Neuerungen sind in einem solchen System keineswegs ausgeschlossen, auf ihre Weise besteht die antike und v.a. die römische Literatur als Literatur auf zweiter Stufe aus einem ausgeklügelten und äußerst erfolgreichen Neuerungsstreben, doch sind diese Innovationen schwierig zu bemerken. Die Neuheit kleidet sich in das - durchlöcherte, verkürzte oder ausgelassene - Gewand des Alten, sie gibt vor, immer schon da gewesen zu sein, und sie verbirgt sich hinter Autoritäten, großen Werken und großen Namen. Das Selbstlob lautet nicht, dass hier einer etwas nie vorher Dagewesenes ins Leben ruft, etwas Niegedachtes denkt, sondern dass der oder jener anerkannte und berühmte Mann auch so ähnlich gedacht haben könnte, ja sogar genau so gedacht hat. Diese Struktur der antiken Literatur macht es fast unmöglich, sich ein einziges Werk herauszugreifen, sondern zieht sogleich den gesamten Rattenschwanz der Vorläufer, Vorbilder, Autoritäten und deren Vorläufer, Vorbilder, Autoritäten etc. nach sich. Für eine Analyse und Beschreibung der antiken Intertextualität lassen sich die Kategorien Blooms, mit denen er jeweils die Situation des Autors im Angesichte seiner VorgängerInnen und im Agon mit ihnen beschreibt, sehr gut anwenden. Sie liefern in diesem allgemeinen Verständnis einer Agon-Gesellschaft adäquate Beschreibungsmodelle, die auf das Verhältnis der Autoren rückprojiziert werden können. Mit der Kategorie clinamen, der Abweichung oder der Richtungsänderung an einem gewissen Punkt einer Narration kann die antike 'Arbeit am Mythos' sehr gut umrissen werden. Der Mythos in doppelter Hinsicht, sowohl als Narrativ als auch als explizite Narration eines 'Vorgängers', als je spezifisch aktiviertes Narrativ, unterliegt einer ständigen Neuinterpretation, Neu-Aktivierung, deren Geheimnis im jeweiligen clinamen liegt. 2. (Inter)Textualitätskonzept für eine Untersuchung der metamorfosischen Schreib-weise Die ovidischen Metamorphosen bilden in diesem Rahmen keine Ausnahme von der Regel, jedoch steht bei meiner Untersuchung, in deren Fokus die Instutionalisierung der Metamorphosen als neuer Architext liegt, das Verhältnis dieser Narration zu anderen antiken Narrationsformen oder Gattungen im Vordergrund. Mit Hilfe narratologischer und intertextueller Modelle von Bachtin, Genette, Tolic u.a. wird ein speziell auf diesen neuen Architext anwendbares Modell erarbeitet, in dessen Zentrum Autozitat (Ipseität) und Gattungs- oder makrostilistischer Intertextualität (Architextualität) stehen. 3. Konstituenten der metamorfosischen Schreibweise Sie äußert sich in einem engen Geflecht von parallelen und kontrastiven Bezügen zwischen einzelnen Narrativen mit minimalem Plot, der in der Regel situativ, aus einer Krisensituation gewonnen wird und trotz aller personaler Beifügungen ("schmückender Figuren") aus nicht mehr als zwei Aktanten, einem Spieler und einem Gegenspieler besteht. Ein wichtiges Moment besteht in der Serialität: In jedem neuen Narrativ einer (thematischen) Serie wird ein neuer Aspekt aufgerissen, die Serie lebt nicht nur von der Wiederkehr des Gleichen, sondern in diesem Gleichen von der Variation. Dazu dient das bestimmende Moment der Ipseität die in einem Spiel der Selbstkommentierung und Perspektivierung/ Blick-füh-rung erweiternd oder verengend, ergänzend oder widersprechend mit Hilfe des Narrativ-Seriellen eine spezifische Textur zur Erscheinung bringt. Die metamorfosische Narratologie stellt ein 'künstlich Natürliches' als Vernatürlichung des fantastischen Elements der Metamorfose her. Außerdem lebt sie von einer ständigen Gattungsüberschreitung in Form von Narrations- u. Narrativik-Zitathaftigkeit. Übergreifend ist metamorfosisches Schreiben als Thematisierung und Herstellung von Metamorfose zu verstehen.

Item Type: Book Section
Additional Information: Das Abstract umfasst einen Teil des Dissertations-Projektes von Ursula Reber, betreut von Wendelin Schmidt-Dengler u. Wolfgang Müller-Funk.
Uncontrolled Keywords: römische Antike, Serialität, Intertextualität, Ovid, Agon, Narratologie, Narrativ, Narration, Metamorphose, Gattung, Architextualität, Mythos, Epos, Stil
Subjects: Kulturwissenschaften, cultural studies > Graduiertenkonferenz: Narrationen im medialen Wandel
Depositing User: Ursula Reber
Date Deposited: 02 Mar 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/14

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