Zu G. W. Leibnizens Dialogus de connexione inter res et verba

Bordat, Josef (2001) Zu G. W. Leibnizens Dialogus de connexione inter res et verba. UNSPECIFIED. (Unpublished)

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Abstract

Ein Kardinalproblem der Erkenntnistheorie ist das Verhältnis von Dingen und Worten. Inwieweit haben unsere Bezeichnungen, die Namen, die wir verleihen, etwas mit den Dingen zu tun, die uns umgeben? Anhand des Textes Dialogus de connexione inter res et verba [1677] soll versucht werden, Leibnizens epistemologische Annäherung an das Problem der Benennung von Dingen und des darin enthaltenen Wahrheitswerts zu beschreiben. Die Verbindung von Dingen und Worten als Wahrheitskonstitution wird in vier Schritten hergeleitet: Der Ausgangsthese, nach der die Wahrheit in den Dingen liegt, folgt die These, die Wahrheit liege in den Gedanken. Dieser Näherung folgt die These, Wahrheit liege in der Natur der Dinge und lasse sich durch empirische Beobachtung gewinnen. Doch empirischer Annäherung an die Dinge folgt nicht selbstverständlich eine Erkenntnis der Dinge. Erst der Gedanke, der sich in Bezeichnung und Beschreibung manifestiert, kann eine Wahrheit über die Welt erkennen und diese durch die sprachliche Formulierung Anderen zugänglich machen. Die Wahrheit, so die Folgerung, liegt also in der richtigen Verknüpfung von Dingen und Worten. Worte fasst Leibniz als Zeichen auf, ausgehend von der Erkenntnisvermittlung der Mathematik, die für ihn eine "Idealsprache" (characteristica universalis) darstellt, so dass es bei der Frage nach dem Wesen der Wahrheit für Leibniz um die Klärung des ontologischen begründeten Zusammenhangs unserer begrifflichen Erkenntnis (Denken) und ihres Ausdrucks in Zeichen und Symbolen (Benennen) geht. Die richtige Zeichenverwendung wird zum Modus des richtigen Denkens und die Zeichen damit zum Träger der Wahrheit. Epistemologisch geht es Leibniz darum, deutlich zu machen, dass die Aufgabe des erkenntnis- und wahrheitssuchenden Menschen nur darin bestehen kann, die in Ordnung geschaffenen Dinge (prästabilierte Harmonie) zu bezeichnen und damit ein System der Kategorisierung zu finden, dass die vorliegende göttliche Ordnung genau abbildet und es ermöglicht, nicht-kohärente Zeichenverwendung nach einmal erfolgter Zeichenfestlegung zu identifizieren. Zeichen leisten in Bezug auf die Erkenntnis der geordneten Dinge also nur dann einen Dienst, wenn sie ebenfalls eine innere Ordnung aufweisen, also kohärent verwendet werden. Wahrheit liegt damit im kohärenten Zeichengebrauch bezüglich der geordneten Dinge, in übereinstimmenden Ordnungsprinzipien von Ding-Welt und Zeichen-Welt.

Item Type: Other
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Epistemologie, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie
Depositing User: Dr. Josef Bordat
Date Deposited: 15 Jul 2007
Last Modified: 08 Sep 2011 18:52
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/1591

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