"Inseln zuverlässigen Wissens im Ozean menschlichen Nichtwissens." Zur Theorie der Wissenschaften bei Norbert Elias

Fröhlich, Gerhard (1991) "Inseln zuverlässigen Wissens im Ozean menschlichen Nichtwissens." Zur Theorie der Wissenschaften bei Norbert Elias. In: Der unendliche Prozeß der Zivilisation. Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York City, pp. 95-111. ISBN 3-593-34481-5

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Abstract

Die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Arbeiten von Norbert Elias sind schon rein quantitativ betrachtet so relevant wie seine Arbeiten zu Zivilisierungsprozesse und Figurationen im engeren Sinn. In diesem Beitrag soll diese bisher wenig beachtete Seite von Elias skizziert werden - Norbert Elias als Theoretiker der Wissenschaften. Mit dieser Formulierung ist bereits die grundsätzliche Position von Elias angedeutet: seine Ablehnung einer Wissenschaftstheorie als Theorie der Wissenschaft im Singular, seine Forderung nach einer Theorie der Wissenschaften im Plural. Gliederung: 1 Ein "Außenseiter, voll unbefangener Einsicht". 2 Ein- und zweigleisige Wissenschaften. 3 Die Integrationsstufen der Gegenstandsbereiche 4 Erkenntnis als kollektive Distanzierungsleistung 5 Das "Geheimnis von Wissenschaft" 6 Die Untersuchung von Wissenschaften als Prozesse 7 Die Kritik verdinglichender Sprech- und Denkgewohnheiten 8 Epistemologische Verortung Wie sind Elias' Entwürfe und Theoreme im Feld des epistemologischen Diskurses einzuordnen? Unübersehbar ist Elias' stark historisch-evolutionäre Sicht der Menschen und ihrer kulturellen Hervorbringungen. Unverkennbar sind auch die Parallelen im Denken von Norbert Elias zum nordamerikanischen Pragmatismus von Peirce und Mead - es handelt sich hier jedoch um eine spezifisch europäische Variante des Pragmatismus. Elias hat seinen Ansatz in Kritik und Abgrenzung zu einer Reihe von Denktraditionen entwickelt. Die Überwindung des Subjektivismus (die Überwindung des "homo clausus" zugunsten der Figurationssoziologie) und des erkenntnistheoretischen Agnostizismus (über erfolgreiches Handeln ist auch ein Zugang zur Realität möglich), sowie des Physikalismus zugunsten des Pluralismus in der Methodologie (die Methoden müssen sich an den Problemen und Gegenständen bemessen und nicht umgekehrt) sind ihm wichtige Anliegen. Ebensosehr bemüht sich Elias, sich vom Marxismus abzuheben,indem er das Konzept einer Multikausalität gegen den ökonomischen Determinismus ins Feld führt. Norbert Elias hat einen innovativen Ansatz einer grund- und integrativwissenschaftlichen , diachronen Theorie der Wissenschaften, des Erkennens und Wissens entwickelt, deren Anregungspotential nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Item Type: Book Section
Uncontrolled Keywords: Wissenschaftstheorie, Aussenseiter, Zivilisationstheorie, Elias, Zivilisationsprozess, Figuration, Soziologie, Wissenssoziologie
Subjects: Wissenschaftsforschung, Wissenschaftsgeschichte
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Epistemologie, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Interkulturelle Philosophie
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Gesellschaftsphilosophie, politische Philosophie, Rechtsphilosophi
Kulturwissenschaften, cultural studies > Interkulturelle Studien
Depositing User: Wolfgang Theis
Date Deposited: 10 Jan 2008 08:23
Last Modified: 08 Sep 2011 18:52
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/1597

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