Warum soll ich? Freiheit, Motivation und "das Böse"

Schlosser, Markus (2001) Warum soll ich? Freiheit, Motivation und "das Böse". UNSPECIFIED thesis, Universität Wien.

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Abstract

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit war eine Seminararbeit über Kants Theorie des "radikal Bösen". Ursprünglich war meine Idee, ausgehend von Begriffen und Problemen bei Kant, einen umfassenden Begriff des Bösen herauszuarbeiten. Diese Idee bzw. diese Zielsetzung ist im Laufe der Ausarbeitung immer mehr in den Hintergrund getreten. Auch wenn der Begriff des Bösen in dieser Arbeit immer wieder auftaucht, so spielt er nun keine zentrale Rolle mehr. Diese Arbeit erhebt nicht den Anspruch, dem Phänomen "des Bösen" gerecht zu werden. Wenn von ?dem Bösen? die Rede ist, ist damit immer das moralisch Böse gemeint. Und wenn in den jeweiligen Kontexten nichts anderes gesagt wird, dann ist mit ?moralisch böse? nichts anderes gemeint, als das Unmoralische; also alle Handlungen, die nicht gut bzw. nicht mit dem Prinzip der Moral vereinbar sind. Wenn ich den Begriff des Bösen so verwende, ohne ihn näher zu spezifizieren, so teile ich damit die Annahme der Gesinnungsethik: vom rechtlichen Standpunkt aus mag es Handlungen geben, die bloß erlaubt sind, aber hinsichtlich der Intention ist jede Handlung entweder gut oder böse. Andere mögliche Aspekte "des Bösen", wie etwa pathologische oder ästhetische, werden gänzlich ausgeklammert. Ebenfalls nicht zur Sprache kommen Formen und Aspekte des Bösen, die besonders in neueren Erörterungen eine wichtige Rolle spielen: Böses, für das es keine Verantwortlichen zu geben scheint. Das Böse, das nicht dem handelnden Subjekt, sondern unüberschaubaren Systemeigenschaften entspringt. Inhaltlich ist diese Arbeit zu einem großen Teil von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Moralphilosophie Kants bestimmt. Der grundlegende Rahmen wird dabei allerdings nicht überschritten: "Ort" der Differenzierungen, der Bestimmungen und der Verantwortlichkeit bleibt das handelnde Subjekt. Aber so, wie auch das Böse eher Leitfaden als Thema ist, so darf diese Arbeit auch nicht als Kant-Philologie mißverstanden werden. Zentrales Thema dieser Arbeit ist nicht der Begriff des Bösen und auch nicht Kant, sondern Probleme im Zusammenhang mit den Begriffen der Freiheit, Verantwortung und der Motivation. Entwickelt werden diese Probleme im Rahmen der Moralphilosophie Kants, deutlich werden sie durch einen Perspektivenwechsel: nicht das Gute, sondern das Böse ist der Ausgangspunkt. Im ersten Kapitel soll gezeigt werden, welche Herausforderung das Böse für die Moralphilosophie Kants darstellt. Ausgehend von der Annahme, daß das moralisch Böse dem handelnden Subjekt zurechenbar sein muß, stellt sich die Frage, ob die von Kant gemachte Bestimmung der Freiheit als Autonomie haltbar ist. Neben den Problemen, hinsichtlich unserer Freiheit und Verantwortlichkeit, ist die Herausforderung durch das Böse vor allem auch eine Herausforderung durch den amoralischen Skeptiker. Dieser konfrontiert uns damit, daß ihm die Forderungen der Moralität lästig sind; er fragt: ?Warum soll ich moralisch sein?? Diese Frage nenne ich die Frage nach der Motivation. Dabei ist zu klären, wie diese Frage zu verstehen ist und in welcher Hinsicht sie sinnvoll von einer Moraltheorie gestellt und beantwortet werden kann. Im zweiten Kapitel werden eine Reihe von Differenzierungen vorgestellt. Dabei beziehe ich mich auf Ergebnisse der sogenannten Internalismus/Externalismus-Debatte. Einerseits soll dadurch der Begriffsapparat ergänzt und präzisiert werden. Andererseits dienen diese Differenzierungen auch dazu, die Grenzen der Moralphilosophie, im speziellen einer kantischen Moral der praktischen Vernunft, darzustellen und zu problematisieren. Thema des dritten Kapitels ist die neokantianische Moraltheorie von Christine Korsgaard. In den Arbeiten Korsgaards finden sich Ansätze zur Lösung von Problemen, die im ersten Kapitel offen gelassen wurden. Das sind vor allem die Probleme um den Begriff der Freiheit und den Begriff der Verantwortlichkeit. Am Ende des dritten Kapitels versuche ich zu zeigen, daß auch Korsgaards identitätstheoretisches Moralkonzept letztlich am Begriff des Bösen scheitert. Mit Bezug auf Hannah Arendts "Banalität des Bösen" habe ich schließlich im letzten Kapitel versucht, eine Grenze und Voraussetzung eines (neo-) kantianischen Moralkonzeptes aufzuzeigen.

Item Type: Thesis (UNSPECIFIED)
Uncontrolled Keywords: Moral Freiheit Böse Verantwortung Kant Korsgaard
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Ethik und Sozialphilosophie, Rechtsphilosophie
Depositing User: Markus Schlosser
Date Deposited: 02 Mar 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/16

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