Funktionen des Physisbegriffs für die Metaphysik des Aristoteles

Buchheim, Thomas (2001) Funktionen des Physisbegriffs für die Metaphysik des Aristoteles. Oxford Studies in Ancient Philosophy (20).

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Abstract

Der These, daß dem Begriff der physis eine zentrale Rolle für die metaphysische Theorie des Aristoteles zufalle, stehen einige naheliegende und prima facie überzeugende Einwände entgegen. Sie sind sicher der Grund dafür, daß es bisher keine umfassende Studie zu diesem Begriff in der `Metaphysik` gibt. Die physis ist nämlich erstens eine Bewegungsursache - die `Metaphysik` des Aristoteles aber fragt nach dem "Unbewegten" in der Wirklichkeit. Zweitens ist alles, was im Rahmen und dank der physis existiert, nach Aristoteles materiell - jedoch gelten die zentralen Analysen der `Metaphysik` der Form der Dinge, die ohne Materie und nach Meinung des Aristoteles ihre "primäre Substanz" ist. Wer also die obengenannte These ernsthaft vertreten möchte, der muß zum einen zeigen, auf welche Weise eine Bewegungsursache dadurch, daß sie Bewegung begründet, zugleich wesentlich für das unbewegt und somit nicht-natürlich Seiende sein kann, nach dem die `Metaphysik` fragt; zum anderen aber auch zeigen, wie bestimmte physische Organisationsweisen des Materiellen dafür verantwortlich zeichnen, daß Dinge eine Form besitzen. Beides ist die Absicht der folgenden Untersuchungen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß Aristoteles überall da, wo er in der `Metaphysik` (und auch anderswo) den Begriff der physis verwendet, bestimmte Funktionen im Auge hat, die nur durch ihn erfüllt und erklärbar gemacht werden könnenn, nicht jedoch durch andere, in der `Metaphysik` prominentere Begriffe, wie den der Substanz, der Form, der Wirklichkeit oder der Einheit. Berücksichtigt man sämtliche Bedeutungen des Wortes physis in der `Metaphysik`, so lassen sich 4 Funktionen des Begriffs, d.h. der mit ihm gemeinten Sache, unterscheiden: (1) die Einheitsfunktion für materielle Substanzen (2) die Funktion für eine Definierbarkeit des Konkretums (3) die Funktion für eine Bestimmbarkeit nicht-natürlicher Einheit und (4) die Ordnungsfunktion für das All der Dinge. Die beiden ersten beziehen sich auf die einzelnen innerhalb der Natur vorkommenden lebendigen Organismen; die beiden letzten auf das System der Natur insgesamt und sein Verhältnis zum schlechthin Unbewegten. Beide Gruppen entsprechen durchaus dem überkommenen Gebrauch des Wortes physis und seinen diversen Ausformungen in der Vorsokratik und bei Platon, wo es einerseits das Wesen und die besondere Beschaffenheit eines Dinges, andererseits den ganzen physischen Bildungszusammenhang und dessen ewig gegebene Wirklichkeitsform bedeuten kann.

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: Platon, Aristoteles
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Metaphysik
Philosophie > Geschichte der Philosophie > a) Antike
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 29 Apr 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/166

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