Freiheit gegenüber Grenzen durch Hardware. 2 Tests

Hrachovec, Herbert (2008) Freiheit gegenüber Grenzen durch Hardware. 2 Tests. In: Computer als Medium. Hyperkult 17, 3.-4.7.2008, Lüneburg.

[img]
Preview
PDF
freiheit_lueneburg.pdf

Download (437kB)

Abstract

"Geworfener Entwurf" ist eine einprägsame Wendung. Sie hat allerdings einen Nachteil. Heideggers Formulierung1 suggeriert, dass "jemand" oder "etwas" den Menschen in sein Dasein werfen kann. Das Gast-auf-Erden-Motiv ist in ihr wirksam. Weniger pathetisch, doch in der Sache ähnlich pointiert, ist die Opposition zwischen technischen Details und allgemeinen Zuständen, die jede kennt: die Urlaubsreise scheitert am Motorschaden; das richtige Gewürz macht aus dem Essen eine Delikatesse. Der Kontrast gehört, um eine ältere Pathosformel zu verwenden, zur conditio humana. Er begegnet auch im Aufbau philosophischer Meisterwerke. Verglichen mit der Durchschlagskraft der transzendentalen Methode ist die Urteilstafel, an der Kant seine Kategorienlehre orientiert, ein starres Hilfsmittel für Scholastiker. Es hat sich bald herausgestellt, dass ihre Festschreibungen für Kants Absicht nicht ausschlaggebend sind. Ähnliches gilt für die Wahrheitstafeln, die Wittgenstein im Tracatus vorstellt. Sie bieten einen formal-logischen Bezugspunkt für den rigorosen Puritanismus, den der Autor zum Grundprinzip der Weltbetrachtung und Lebensführung macht. Das Verhältnis der beiden Seiten ist selbst ein prominentes philosophisches Problem. Wissenschaften, welche von Daten abhängen, können aus überholten oder falschen Fakten keine produktiven Ergebnisse gewinnen. Philosophie ist auf konkrete Anknüpfungen angewiesen, aber sie kann sich auch von ihnen abstoßen. Sie entwirft Perspektiven, die den Anlassfall dramatisch übersteigen. Zwei Zwischenfälle im Umgang mit Computern sollen den Punkt erläutern. Sie dienen dazu, deutlicher zu machen, wie man sich zwischen den Fronten, bestimmt von technischen Details und freigesetzt zu übergreifenden Prinzipien, verhalten kann. Die beiden Beispiele zeichnen eine kühne Verbindung von Ärger im Alltag und pauschaler Gesellschaftskritik. Die Frage wird am Ende sein: Gibt es – zumindest in diesem einen Fall – einen Zwischen-Halt?

Item Type: Conference or Workshop Item (Lecture)
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Medienphilosophie, Theorie der Virtualität, Cyberphilosophie
Philosophie > Philosophische Institutionen > Institut für Philosophie, Wien
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 14 Jul 2008 10:29
Last Modified: 03 Jul 2013 12:42
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/1804

Actions (login required)

View Item View Item

Downloads

Downloads per month over past year