Auseinandersetzung mit Einstellungen bzw. Auffassungen zur Religionsfreiheit und zur Haltung gegenüber anderen

Ottmaier, Marianne (2002) Auseinandersetzung mit Einstellungen bzw. Auffassungen zur Religionsfreiheit und zur Haltung gegenüber anderen. UNSPECIFIED. (Unpublished)

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Abstract

In der ‚Erklärung über die Religionsfreiheit", die im Rahmen des 2. Vatikanischen Konzils verfasst wurde, wird, angesichts der gegenwärtig zunehmenden Forderung der Menschen nach rechtlicher und gesellschaftlicher Freiheit, vor allem aber auch nach geistiger Freiheit – also Denken und Werte des Einzelnen, insbesondere im Bereich der Religion, betreffend – von der katholischen Kirche Stellung zum Thema der Religionsfreiheit genommen.
Es erweckt gewissermaßen den Eindruck, als wäre in der ‚Erklärung über die Religionsfreiheit" ein Potential zur Verwirklichung der Religionsfreiheit, in Form tatsächlich freier Entscheidung und bewussten Glaubens und dessen ungehinderter Ausübung, sowie der Anerkennung des Glaubens und dessen Verwirklichung jedes Mitmenschen, aufgrund einer jedem Menschen notwendig zukommenden Freiheit im Bereich der Religion, vorhanden. Dieses Potential scheint aber nicht zur Realisierung gelangen zu können, da die, an einzelnen Stellen des Textes dargestellte, zugestandene und auch geforderte Freiheit durch an anderen Stellen des Textes gemachte Aussagen wieder reduziert bzw. deren tatsächliche Verwirklichung verhindert wird. Dafür scheint mir aber kaum die Annahme einer Verpflichtung in der inneren Beziehung des Menschen zu Gott verantwortlich, als vielmehr das Beharren auf alleiniger Wahrheit der eigenen Religion und der, in Bezug auf die Religionsfreiheit getroffenen, Unterscheidung einer äußeren und einer inneren Ebene – offensichtlich ohne dabei die innere Ebene einer zwischenmenschlichen Beziehung von der inneren Ebene der Gottesbeziehung eines Menschen zu trennen – als Grundlage der Reduktion der Freiheitsforderung auf die, angeblich allein menschlichem Einwirken zugängliche, äußere Handlungsebene.
Daraus ergibt sich eine Auffassung der Religionsfreiheit als bürgerliches Recht zum Schutz vor Beeinträchtigung der Glaubensausübung durch (äußeren) menschlichen Zwang, auch in Bezug auf jene Menschen, die in ihrer religiösen Ausübung der, ihrem Wesen als Mensch entsprechenden, Pflicht die einzige Wahrheit im Bereich der Religion zu suchen bzw. ihr zu entsprechen, nicht nachkommen. Dem gegenüber scheint in der parallelen ‚Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" die Gewährung der Religionsfreiheit einen etwas breiteren Bereich zu betreffen, indem zur Religionsfreiheit als bürgerliches Recht, durch die Beurteilung anderer Glaubensformen als Teile der Wahrheit enthaltend und durch die Betonung der Annahme des einen Gottes als das gemeinsame Ziel der verschiedenen Religionen, auch in begrenzter Weise Anerkennung gegenüber Angehörigen einer anderen Religion und deren Glaubensform gefordert wird.
Im Hinblick auf das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens ist aber wohl noch ein dritter Schritt notwendig: Die Gewährung der Religionsfreiheit als Haltung – geht es nun bloß um Duldung der Glaubensausübung oder auch um ehrliche Anerkennung – scheint für positive und aktive Beziehungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen noch nicht ausreichend. Die gegenseitige Gewährung der Religionsfreiheit müsste auch Ursache und Grundlage für ein tatsächliches Aufeinander zugehen und sich mit dem anderen – sowohl dem Menschen als auch seiner Religion – auseinander setzen sein. Nur so könnten, nicht nur im Unterricht sondern in der ganzen Gesellschaft, friedliche Begegnungen und gleichberechtigte und einander gegenseitig bereichernde Dialoge zustande kommen.

Item Type: Other
Uncontrolled Keywords: Menschenrechte, Religionsfreiheit, Katholizismus
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Ethik und Sozialphilosophie, Rechtsphilosophie
Depositing User: Barbara Zimmermann
Date Deposited: 06 Dec 2020 12:16
Last Modified: 06 Dec 2020 12:16
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/2011

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