Hirntod: Lebendiger Körper – tote Person?* Wer stiftet hier Verwirrung?

Bexten, Raphael E. Hirntod: Lebendiger Körper – tote Person?* Wer stiftet hier Verwirrung? Theologisches. ISSN 1612-6165 (In Press)

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Abstract

Die Antwort auf die Frage ob der »Hirntote« tot oder ein noch natürlich Lebender ist, hängt mit den Antworten auf folgende Fragen zusammen: Kann es künstliches Leben geben oder nicht? Ist das Gehirn des Menschen der Hauptintegrator des menschlichen Organismus oder nicht? Was ist der zureichende Grund für das Leben des Menschen? Was ist der Mensch? Ich argumentiere, dass der Hirntote i.d.R. eindeutige, dem natürlichen biologischen Lebendigen eigene Charakteristika, wie z.B. Wachstum, Körpertemperatur, Erzeugung von Keimzellen aufweist und somit lebt, da es Leben ohne ein zugrundeliegendes einfaches Lebensprinzip (»psyche«) nicht geben kann. Wäre also ein irreversibles Hirnversagen die direkte Ursache für die Trennung von Leib und Seele, wie das manche zu behaupten scheinen, so dürfte der »Hirntote« der die Charakteristika vom biologischen Leben aufweist, diese nicht aufweisen. Da der »Hirntote diese aber aufweist, andernfalls wäre er nicht als »durchblutete Organbank« zu gebrauchen, muss der »Hirntote« durch die menschliche Geistseele beseelt sein und ist somit nicht tot. »Der lebende Körper ohne funktionsfähiges Gehirn ist nicht ein Sack voll lebendiger Organe, sondern ein hochkomplexes System, das viele Subsysteme nach wie vor koordiniert. Und diese Einheit stiftende Koordination heißt Leben.« (Robert Spaemann) Die eine menschliche Seele, ist einfach (unteilbar) und hat drei Seelenvermögen (Prinzipien). Kann das intellektive (geistige) Seelenprinzip, aufgrund eines physischen Defektes nicht ausgeübt werden, so heißt das nicht, dass dieses nicht auch weiterhin vorhanden ist. Der Mensch behält also seine einfache Geistseele, auch wenn er aufgrund eines Hirndefektes nicht mehr geistig tätig sein kann. Es ist somit falsch, zwischen »biologischem menschlichen Leben« und »personalem menschlichen Leben« unterscheiden zu wollen. Folglich ist der »Hirntote« nicht wirklich tot, sondern ein »Im-Begriff-zu-Sterbender«, der nicht vorzeitig für tot erklärt werden darf, damit er ohne Bedenken getötet werden kann.

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: Hirntod; Tod; Mind-brain-Reduktionismus; Lebenszeichen des Hirntoten; der Status des Hirntoten;
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Metaphysik
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Ontologie
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Angewandte Ethik
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Bewußtseinsphilosophie, Philosophie des Geistes und der Psychologie
Depositing User: Raphael E. Bexten
Date Deposited: 28 Oct 2014 18:14
Last Modified: 28 Oct 2014 18:14
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/2417

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