Subversion, Das Ende der Welt?

Theis, Wolfgang (2009) Subversion, Das Ende der Welt? Universidade Presbiteriana Mackenzie, Sao Paulo. (Submitted)

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Abstract

Die Anfänge der menschlichen Zivilisation leiten sich davon ab, dass sich Menschen zum gegenseitigen Schutz zusammenschlossen und sich Regeln, allgemein Gesetze genannt, gaben, welche das Zusammenleben regelten. Ob sich nun die Menschen zu Gemeinschaften zusammenschlossen um gemeinsam stark gegen einen Außenfeind zu sein, oder ob sie sich nun zusammenschlossen um den anarchistischen Naturzustand zu beenden, ist hierbei unerheblich. Um dieser Quasianarchie abzuhelfen wurden allgemein gültige Normen erlassen, welche Rechte und Pflichten der jeweiligen Gesellschaftsmitglieder regelten. Hierbei kann man durchaus von Stammesgesellschaften ausgehen, welche am Beginn eines Zivilisationsprozesses standen. Später entwickelten sich aus den Stämmen und deren Gebieten kleinere und größere Reiche mit einem für das gesamte Reichsgebiet geltenden Gesetzeskodex und Staatsapparat, dann ging die Entwicklung weiter zu Nationalstaaten republikanischer Prägung bis hin zu den heute existierenden Staatsgebilden, welche mehr oder weniger demokratisch geführt werden (vgl. Elias (2), 2002). Hier ist noch auf die Autokratien zu verweisen, die derzeit existieren, aber in zivilisationstheoretischer Hinsicht durchaus zu diesen vorher erwähnten Staatsgebilden zu zählen sind. In diesem Zivilisationsprozess wird dem Staat zur Beendigung des Naturzustandes das Gewaltmonopol übertragen. Die Hoheit über die Ausübung von körperlicher Gewalt (Befehls- und Zwangsgewalt) über andere hat nun der Staat, welcher für die Überwachung der Einhaltung der Gesetze zuständig ist (Monopolisierung der Gewalt). In diesem Prozess der Soziogenese werden die Handlungsketten und Interdependenzen im gesellschaftlichen Raum ausgeweitet, die Figuration des Individuums erhält mehr Bedeutung (vgl. Elias (1), 1987, Elias (2), 2002). Unter dem Begriff der Figuration versteht Norbert Elias die Position des Einzelnen innerhalb eines komplizierten Geflechts von gesellschaftlichen Handlungssträngen. Diese Handlungen beeinflussen direkt oder indirekt auch die Handlungen des jeweils Anderen und lösen damit eine Art Kettenreaktion aus. Im Prozess der Zivilisierung ist ein Wandel von Fremdzwängen, welche durchaus bestehen bleiben können, hin zu Selbstzwängen zu beobachten und der Definition nach Norbert Elias gilt eine Gesellschaft zivilisatorisch höher entwickelt, je weniger Fremdzwänge das Verhalten des Individuums beeinflussen (vgl. Elias (1), 1987 und Elias (3), 2002). Es sind jedoch diese teilweise sehr rigiden Fremdzwänge, welche in einer Gesellschaft von Individuen das Bedürfnis nach Subversion schüren, da „der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Marx, 1976, S. 385).

Item Type: Other
Uncontrolled Keywords: Subversion, Zilivisationstheorie, Kulturtheorie
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Anthropologie
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Allgemeine Ethik
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Epistemologie, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Gesellschaftsphilosophie, politische Philosophie, Rechtsphilosophi
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Interkulturelle Philosophie
Kulturwissenschaften, cultural studies
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Phänomenologie
Depositing User: Wolfgang Theis
Date Deposited: 18 Dec 2014 09:00
Last Modified: 18 Dec 2014 09:00
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/2434

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