Sprachphilosophische Reflexionen zur Möglichkeit der Schaffung künstlicher Intelligenz

Hermann, Werner (2002) Sprachphilosophische Reflexionen zur Möglichkeit der Schaffung künstlicher Intelligenz. UNSPECIFIED thesis, Universität Wien.

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Abstract

Im Laufe der Konzeptualisiserung der vorliegenden Arbeit und beim Lesen der damit zusammenhängenden Lektüre habe ich mich aufgrund der Vielschichtigkeit des Diskurses, der im Zusammenhang mit den möglichen intellektuellen Fähigkeiten von künstlichen bzw. synthetischen Systemen, von Maschinen im weitesten Sinne, geführt wird, entschlossen, einen Schwerpunkt dort zu setzen, wo die Frage der Referenz, der Art und Weise wie Menschen auf Gegenstände (und Empfindungen) Bezug nehmen, sowie das Sprachverstehen angegangen werden. Die eminente Bedeutung, die dabei der Sozietät und dem Kontext zukommt, macht es schwer zu glauben, daß diese beiden Probleme (oder auch nur das erste) einer formal-theoretischen Lösung zugeführt werden könnten. Im vorliegenden thematischen Zusammenhang ist jedenfalls ein Eingehen auf die Frage wichtig, ob sinnvolle verbale Äußerungen an geistige Prozesse, an intentionale Akte wie beispielsweise das ?Meinen? gebunden sind. Selbst wenn sich aber der Sinn von Begriffen wie die "Bedeutung eines Wortes" (und damit auch die Bedeutung von "Bedeutung") überhaupt erst im Sprachgebrauch einer Sozietät konstituiert, stellt sich immer noch die Frage, wie denn beispielsweise ein Roboter zur Sprache käme. (Das Problem, das sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, ob es so etwas wie eine "Privatsprache" gibt; und wenn nicht: Wie wird ein "künstliches" System Mitglied unserer Sprach- und Verhaltensgemeinschaft?) Ich werde auch versuchen zu zeigen, daß der Verzicht auf geistige Entitäten oder auf ein mentalistisches Vokabular die Sache für die Vertreter der "artificial intelligence" keineswegs leichter macht. Das Vermögen auf Reize unterschiedlich zu reagieren, zu diskriminieren, ist zwar eine kausale Vorbedingung, aber keine Begründung unseres Wissens. Nach Sellars an Wittgenstein orientierter Auffassung besteht das Verfügen über einen Begriff in der Fähigkeit zur Verwendung eines Wortes, und man kann folglich weder über einen einzelnen Begriff unabhängig von anderen verfügen noch den Begriff von etwas haben, weil man einen Gegenstand "bemerkt" hat, denn "....von einem bestimmten Gegenstand Notiz nehmen zu können heißt , bereits über den Begriff von einem solchen Gegenstand zu verfügen" (vergl. Sellars W.in Rorty R., 1979, dtsch. 1987, S. 204f.). Ernst Tugendhat hat - hauptsächlich in Anlehnung an Wittgenstein meines Erachtens überzeugend herausgearbeitet, daß etwas zum spezifischen Gegenstand wird durch die Art und Weise, wie wir darauf Bezug nehmen (vergl. Tugendhat,1976). Einen Stuhl wahrnehmen und sich dessen bewußt sein, daß es ein "Stuhl" ist, sind zwei verschiedene Dinge. Um einen Begriff von einem "Stuhl" zu erhalten, sind mehr als visuelle, taktile und olfaktorische sensorische Inputs nötig. Wie erkenne ich, daß etwas ein "Stuhl" ist? "Eine Antwort wäre: "Ich habe Deutsch gelernt"" (vergl. Wittgenstein, 1984, S 400, Abs. 381). Die Erörterung der Art und Weise unseres Gegenstandsbezugs (eines "Gegenstandsbewußtseins") ist im vorliegenden Zusammenhang auch deswegen von Bedeutung, weil damit auch die Beziehung zu uns selbst, die Frage des "Selbstbewußtseins" verknüpft ist und Begriffe wie "ich" sowie Empfindungen bzw. die Verwendung entsprechender Wörter in den Brennpunkt des Interesses geraten.

Item Type: Thesis (UNSPECIFIED)
Uncontrolled Keywords: Searle, Putnam, Leib und Seele, Computer, Intelligenz
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Analytische Philosophie
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 09 Jul 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/251

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