Zum Kritikpotential des Protestantismus

Kern, Udo (1997) Zum Kritikpotential des Protestantismus. Tabula Rasa. Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken (13).

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Abstract

Sehr hart urteilt Karl Popper über unsere westlich - abendländische Erziehung. Als korrupt, und zwar intellektuell und sittlich, diagnostiziert er die westlich-abendländische Bildung. Diese Korruption hat nach Karl Popper einen klar und eindeutig zu benennenden Grund. Verursacht ist diese Korruption durch das Aussetzen, Nichtanwenden, Verweigern von Kritik, in dem was wir sagen und tun. "Und in der Tat - unsere intellektuelle wie auch unsere sittliche Erziehung ist korrupt. Sie ist verdorben durch die Bewunderung der Brillanz, durch die Bewunderung der Weise, in der Dinge gesagt werden, die an die Stelle einer kritischen Betrachtung des Gesagten (und des Getanen) tritt. Sie ist verdorben durch die romantische Idee des Glanzes auf der Bühne der Geschichte, auf der wir alle Schauspieler sind. Wir sind dazu erzogen, bei allen unseren Handlungen die Galerie im Auge zu behalten."[1] Die Prägung und Fixierung auf und "durch die Bewunderung der Brillanz" bringt uns Anpassung an die Faszination dessen, was sich im "man" Gewinn bringend zur Pose darstellen kann. Die "romantische Idee des Glanzes" verdirbt uns innen und außen. Wir können, ja müssen, in allem, was wir denken, tun und handeln, "die Galerie im Auge...behalten". Die Idee des Glanzes ideologisiert unser Dasein. Sie ist eingenistet in das, was wir tun, denken, erreichen. In fruchtbarer Evidenz bestimmt sie die Alltäglichkeit. Die "Bühne der Geschichte, auf der wir alle Schauspieler sind", lebt von der Ideologie des Glanzes. Immer, wann und wo, wie und was, klein oder groß - immer gilt es, die Galerie im Auge zu behalten. So aber gedeiht der Verfall. Indem sich die bewunderte Brillanz durchsetzt, sich verherrlicht, glorifiziert, verlieren sich Konturen des Menschlichen. Menschliches gedeiht nicht durch die und in der (blinden) Faszination der Idee des Glanzes. Nein, diese Idee ist hier Verderben bringend. An ihr orientiert sind wir ideologisch irregeleitet. Wie aber können wir ausziehen aus der Leben und Denken zerstörenden Bewunderung der Brillanz? Es gilt: "Der kritische Weg ist allein noch offen."[2]

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: Protestantismus, Kritik
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Religionsphilosophie, Religionskritik
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 11 Mar 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/50

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