Erzählte Geschichte im Bild. Die narrative Darstellungsweise als Vermittler historischer Ereignisse in der römischen und spätantiken Kunst.

UNSPECIFIED (2002) Erzählte Geschichte im Bild. Die narrative Darstellungsweise als Vermittler historischer Ereignisse in der römischen und spätantiken Kunst. In: Graduiertenkonferenz, April, Wien. (Unpublished)

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Abstract

Erzählte Geschichte im Bild. Die narrative Darstellungsweise als Vermittler historischer Ereignisse in der römischen und spätantiken Kunst. Barbara Zimmermann/Institut für Klassische Archäologie - Wien Die Bilder der schrecklichen Ereignisse in Amerika, die derzeit in unseren Medien allpräsent sind, uns live berichten von dem, was ab nun ,Geschichte' ist, belegen sehr anschaulich unsere Unmittelbarkeit zum Geschehen in aller Welt. Sie sind einerseits symptomatisch für unsere Mediengesellschaft, andererseits dokumentieren sie, wie stark unser Bedürfnis ist, Geschichte über Bilder zu definieren. Der Mensch in der Antike lebte ebenfalls mit Bildern. Sie dienten der Erbauung, Propagandazwecken, der Vermittlung von Idealen, und sie erzählten Geschichte. Die Sprache der Bilderzählungen ist Mittler zwischen Künstler und Betrachter, repräsentiert und charakterisiert den kulturellen Kontext. Die Narrativitätsforschung in der Klassischen Archäologie und antiken Kunstgeschichte hat eine lange Geschichte, deren Etappen kurz aufgezeigt werden sollen. Geprägt vom Zeitgeist ging sie zunächst von einem rein philologischen Zugang aus, bei dem die Bedeutung des Textes bzw. des Wortes über die des Bildes dominierte. Etwa ab den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts überwiegt ein von den Literaturwissenschaften übernommener Ansatz, der letztlich dem Betrachter als ,Leser' des Kunstwerkes allein die erzählende Rolle zukommen lässt. Den Forschungsansatz der letzten Jahrzehnte relativierend wird aufgezeigt, dass die Vermittlung von ,Historizität', die Erzählung von historischen Ereignissen, auch in der Antike nach bestimmten Strukturen und Gesetzmäßigkeiten funktionierte. Ausgehend von den auf der Trajanssäule in Rom erzählten Ereignissen der Dakerkriege soll eine Verbindung geschaffen werden zu den frühchristlichen offiziellen Kunstwerken. Dort werden in analoger Weise mithilfe derselben formalen Gesetzmäßigkeiten die alttestamentlichen Ereignisse als Geschichte des Gottesvolkes vermittelt. Dies ist etwa in den Langhausmosaiken von S. Maria Maggiore in Rom nachzuvollziehen ist, wo der alttestamentliche ,Held' Josua wie einst der römische Kaiser Trajan zum Sieg gelangt. Die narrative Darstellungsweise wurde hier bewusst der narrativen Triumphalkunst angeglichen, um die ,Historizität' der Ereignisse zu vermitteln. Immer kontroversiell wurde die Frage diskutiert, ob die Bildgeschichten als Textillustrationen oder textunabhängige Bilderzählungen entstanden. Anhand zweier spätantiker bzw. byzantinischer illustrierter Handschriften wird diese nun neu aufgerollt: Die Illustrationen der Handschriften bedienen sich einer narrativen, kontinuierenden Darstellungsweise, analog zu den Reliefs der Trajanssäule. Die Analyse des Verhältnisses der respektiven ,Begleittexte in den Handschriften lässt die Frage nach der Textabhängigkeit der Bilder, die bislang ausschließlich unter dem Gesichtspunkt einer vollständigen verbalen Erzählung gestellt wurde, in neuem Licht erscheinen. In beiden Fällen folgt der begleitende Text einer im Sinne des Fortganges des Erzählflusses redigierten Fassung, wobei sowohl Text als auch Bild die gleiche Intention verfolgen, nämlich in zügig aufeinander folgenden Etappen den Fortgang der Geschichte ins Bild zu setzen. Hierdurch wird eine Harmonisierung der verbalen und visuellen Erzählung erreicht, die bislang immer für ,Illustrationen' postuliert bzw. als fehlend angesprochen wurde, hier aber wider Erwarten ganz eindeutig nachzuweisen ist. Der gewählte methodische Ansatz basiert auf den in der Forschung geleisteten, auf Methoden der Literaturkritik die Kunstgeschichte erarbeiteten Grundlagen, die Syntax und Erzählstruktur der Bildgeschichte analysieren, will aber trotzdem die Bildgeschichte wieder in den Kontext ihrer Entstehung situieren. Nicht nur der Betrachter / Leser produziert die Erzählung, sondern sie wird von Auftraggeber / Künstler intendiert.

Item Type: Conference or Workshop Item (UNSPECIFIED)
Subjects: Kulturwissenschaften, cultural studies > Graduiertenkonferenz: Narrationen im medialen Wandel
Depositing User: Barbara Zimmermann
Date Deposited: 02 Mar 2002
Last Modified: 08 Sep 2011 18:50
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/7

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