Die doppelte Koinzidenz: Das Problem der empirischen Basis beim frühen Moritz Schlick

Glassner, Edwin M. (2003) Die doppelte Koinzidenz: Das Problem der empirischen Basis beim frühen Moritz Schlick. UNSPECIFIED thesis, Universität Wien.

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Abstract

Schlick übernimmt in der Allgemeinen Erkenntnislehre von Hilbert das Programm der impliziten Definition. Da Hilbert dieses System für den metamathematischen Bereich ersinnt, bleibt die Frage offen, wie die Relevanz dieses Systems für einen außerlogischen, empirischen Bereich gewährleistet werden kann. Schlicks erster Lösungsansatz in Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik zielt darauf ab, die Physik grundsätzlich von der (reinen) Anschauung zu trennen. In den jeweiligen Sinnesräumen ist für Schlick die Koinzidenz von Punkten das maßgebende Geschehen zur Verortung des Erkenntnisobjekts. So erfolgt die Konstruktion des Gegenstandes im physischen Raum laut Schlick ohne Rekurs auf die ursprünglich subjektive Erfahrung. Es soll gezeigt werden, daß Schlicks Bestimmung der Punktkoinzidenzen zwischen zwei Polen oszilliert. Einerseits meint Schlick hier die psychologische Seite einer ostensiven Definition. Andererseits bedeutet für Schlick die Koinzidenz gleichzeitig die Identifikation von Koordinaten des physischen Raumes allein. Das Koinzidenz-Argument ist hier, wie Friedman (1983) betont, der Vorläufer des Basisproblems. Die ursprüngliche Koinzidenz in Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie hat die Funktion der einzigen Konstituente der physikalischen Objektivität. Der Grund, warum Einstein die Koinzidenzen einführt, ist, die Trennung des Gravitationsfeldes vom Raum zu negieren, da nur bei einer gemeinsamen Betrachtung von Raum und Feld Punkte bestimmt werden können. Die Punktkoinzidenz kann so als Ausfluß des Äquivalenzprinzips verstanden werden. Schlick führt zur weiteren Abgrenzung von intuitionaler Erfahrung die Unterscheidung Form vs. Inhalt ein. Dabei fällt unter Inhalt der Teil von Erfahrung, der die Union von Unkommunizierbarem und Fremdpsychischem darstellt. Da Inhalt somit nicht den Anforderungen von Wissenschaft nach Intersubjektivität – und damit Objektivität – gerecht werden kann, eignet er sich auch nicht als empirische Basis. Dennoch ist die Unterscheidung Form vs. Inhalt nicht zielführend in Bezug auf die Punktkoinzidenzen. Wären die Koinzidenzen lediglich als der reine Inhalt von empirischen Aussagen zu bestimmen, so wären sie ein Anker im physischen Raum, der die sonst konventionelle Festsetzung der Topologie objektiv fixiert. Letztlich soll gezeigt werden, daß Schlicks eigene Darstellung der epistemologischen Funktion der Punktkoinzidenz in eine Metaphysik der Erfahrung münden muß, da Schlick den Begriff nicht von seinen psychologischen Elementen befreien kann.

Item Type: Thesis (UNSPECIFIED)
Uncontrolled Keywords: Schlick, M.; Hilbert; Empirismus; Relativitätstheorie; Koinzidenztheorie
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Epistemologie, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie
Philosophie > Geschichte der Philosophie > g) 20.Jahrhundert
Depositing User: Edwin M. Glassner
Date Deposited: 21 Jun 2006
Last Modified: 08 Sep 2011 18:51
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/730

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