Ich-Störungen als pathologische Formen mentaler Selbstmodellierung

Metzinger, Thomas (1997) Ich-Störungen als pathologische Formen mentaler Selbstmodellierung. In: UNSPECIFIED mentis.

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Abstract

Was genau ist eigentlich eine Ich-Störung? Ich werde auf den folgenden Seiten dafür argumentieren, daß man die Natur dieses Typs von psychiatrischen Störungsbildern besser verstehen kann, indem man einen Blick über die medizinischen Fachgrenzen hinweg in die analytische Philosophie des Geistes und in die Kognitionswissenschaft wirft. Beiden Disziplinen ist gemeinsam, daß mentale Zustände dort häufig einer funktionalen Analyse unterzogen und als Informationsverarbeitungsereignisse beschrieben werden. Das bedeutet, daß mentale Zustände dabei zunächst mit Blick auf die kausale Rolle untersucht werden, die sie im System spielen. Das System selbst wird als natürlich entstandenes Informationsverarbeitungssystem mit einer langen biosozialen Geschichte analysiert, welches Repräsentationen der Welt und von sich selbst in ihr erzeugt. Psychiatrische Störungsbilder sind unter dieser Perspektive Störungen des Informationsflusses, insbesondere Störungen in der Art und Weise, in der es die Welt und sich selbst für sich selbst repräsentiert. Wenn man an einer logisch konsistenten und für zukünftige empirische Entdeckungen offenen theoretischen Systematisierung solcher Störungsbilder interessiert ist, dann kann es sinnvoll sein, sie mit dem begrifflichen Instrumentarium zu betrachten, das auch die vielen anderen neuen Wissenschaften verwenden, die sich die Erforschung bestimmter Funktionen des menschlichen Geistes zum Ziel gesetzt haben. Was wir brauchen, ist eine neue Form der interdisziplinären Zusammenarbeit, die einerseits die Psychiatrie in Kontakt bringt mit den besten Theorien, die es gegenwärtig über das Entstehen mentaler Zustände gibt, und die auf der anderen Seite die Philosophie des Geistes vor einer blutleeren analytischen Scholastik bewahrt, die sich leicht aus einer rein logischen Analyse psychologischer Konzepte ergeben kann. Im angelsächsischen Bereich zeichnet sich in diesem Zusammenhang seit einiger Zeit bereits die Entwicklung einer "Angewandten Philosophie des Geistes" ab.

Item Type: Book Section
Subjects: Philosophie > Philosophische Disziplinen > Bewußtseinsphilosophie, Philosophie des Geistes und der Psychologie
Depositing User: Sissi Kemp
Date Deposited: 13 Jun 2004
Last Modified: 08 Sep 2011 18:51
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/876

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