Annäherung an Bedingungen interkultureller Philosophie

Jarosch, Daniel (2002) Annäherung an Bedingungen interkultureller Philosophie. UNSPECIFIED. (Unpublished)

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Abstract

Ich möchte mit einem Zitat von Aristoteles beginnen, um gewissermaßen den perspektivischen Standpunkt zu illustrieren, von dem aus einer schreibt, der als ein Ahnherr sogenannter "westlicher" Philosophie und Wissenschaft gilt, andererseits erst im Mittelalter über die Vermittlung arabischer Gelehrter die Bühne christlich-europäischen Denkens betritt: An das Reich der Luft grenzt die Feste der Erde und des Meeres, die in Fülle Pflanzen und Tiere hervorbringt, Quellen und Ströme, die teils in Windungen über die Erde ziehen, teils sich ins Meer ergießen. Sie prangt im bunten Schmuck von tausenderlei Grün, hohen Bergen, dichten Wäldern und von Städten, die sich das kluge Wesen, der Mensch, erbaut hat; auch sind Inseln in der Salzflut und Festländer. Nun scheidet man allgemein die bewohnte Erde in Inseln und Festländer, ohne zu wissen, dass sie selbst insgesamt eine Insel ist, um die das sogenannte Atlantische Meer fließt. Wahrscheinlich liegen ihr aber in der Ferne, jenseits des Ozeans, noch viele andere gegenüber, teils größer als sie, teils kleiner, alle jedoch, außer unserer Landfeste, für uns unsichtbar. Im Verhältnis nämlich wie unsere Inseln zu den Meeren hier stehen, steht unser Erdteil zum Atlantischen Ozean und stehen viele weitere Kontinente zum ganzen Weltmeer. Auch sie sind ja nur eine Art großer Inseln, umflutet von riesigen Meeren. Die gesamte Wassermenge auf der Erdoberfläche lässt als klippenartige Bodenerhebungen die sogenannten bewohnten Erdteile herausragen und schließt sich wohl gleich an das Luftelement an. Dann erst folgt in den Tiefen, in der eigentlichen Mitte des Weltalls, fest und geballt die Erdmasse, die unbewegt und unerschütterlich ist. Und diesen Punkt im Weltall nennen wir `ganz unten´. [Aristoteles, Über die Welt, S6f.] Die Frage was interkulturelle Philosophie ist oder sein könnte scheint nicht gerade leicht zu beantworten. Bei der Lektüre von konzeptionellen Entwürfen verschiedener interkulturelle Philosophie betreibender Autoren, fällt auf, dass die Angelegenheit jeweils auf verschiedene Weise gewissermaßen "eingekreist" oder "umrissen" wird. Verschiedene Autoren sprechen von verschiedenen Standpunkten aus und arbeiten verschiedene Aspekte des zu Besprechenden heraus. Das Gemeinsame sind weder die verwendeten Termini, noch die Herangehensweisen, um diese Termini zu explizieren. Es sind nicht Antworten , die das "Feld" der interkulturellen Philosophie abstecken als vielmehr gemeinsame, wenn auch zum Teil unterschiedlich formulierte Fragen. Konstatieren wir also gleich am Anfang, dass Philosophie nicht, wie man es vielleicht gerne hätte, ein festgefügtes Gebilde sinnvoller Sätze ist , sondern seit jeher eine mehr oder weniger offene Diskussion verschiedener Gesprächspartner über philosophische Fragen. Was jetzt eine dezidiert philosophische Frage ist und wie darüber zu diskutieren sei, sind Bedingungen, die sich im Laufe der Gespräche herauskristallisieren und Formen annehmen, die wir vielleicht eine jeweilige philosophische Tradition nennen können. Da nun an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten philosophische Fragen aufgeworfen und besprochen wurden und man nur begrenzt voneinander wusste, haben sich eben verschiedene philosophische Traditionen herausgebildet. "Tradition ist jede zeitlich ausgedehnte Menge von Texten, seien sie schriftlich oder mündlich, musikalisch oder künstlerisch." sagt Jay L. Garfield [Garfield, S45] und "Im allgemeinen wird der hermeneutische Kontext durch jene Geschichte von Rufen und Antworten geliefert, welche zusammen eine Tradition ausmachen." [ebd.] Diese Gespräche oder Diskurse fanden wie jede menschliche Tätigkeit im Kontext von "Kultur" statt , wobei die schwierigen Grenzziehungen zwischen philosophischen Traditionen keinesfalls die vielleicht noch schwierigeren Grenzziehungen zwischen "Kulturen" decken. Was aber ist Kultur?

Item Type: Other
Uncontrolled Keywords: Kultur Philosophie inter trans Ram Adhar Mall Franz Martin Wimmer Heinz Kimmerle Verständigung Verstehen Anerkennung
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Ethik und Sozialphilosophie, Rechtsphilosophie
Depositing User: Users 8 not found.
Date Deposited: 25 Jun 2004
Last Modified: 08 Sep 2011 18:51
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/915

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