LEBEN IN ANDERHEIT. ASPEKTE DES KANADISCHEN MULTIKULTURALISMUS

LICHEM, WALTHER (1998) LEBEN IN ANDERHEIT. ASPEKTE DES KANADISCHEN MULTIKULTURALISMUS. MITTEILUNGEN DES INSTITUTS FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST, 53.JAHRGANG 1998 (4). pp. 19-25.

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Abstract

LEBEN IN ANDERHEIT. ASPEKTE DES KANADISCHEN MULTIKULTURALISMUS Es war wohl das von Anbeginn der kanadischen Geschichte gegebene Spannungsverhältnis zwischen den frankophonen und anglophonen Gründernationen –wobei man in den verschiedenen Provinzen einmal Mehrheit und dann wieder Minderheit war –,welches für das Entstehen offenerer Strukturen wechselseitiger Akzeptanz und Durchdringung verantwortlich war,und für welches die Kanadier den Begriff "Multikulturalismus "geprägt haben. Ich würde aber mit Hinblick auf die Entwicklungen dieses kanadischen Multikulturalismus eher den Begriff der "Vielfach-Identitätsgesellschaft " vorziehen,womit nicht nur die Pluralität verschiedener (kulturell,ethnisch bestimmter)Identitäten in der Gesellschaft gemeint ist,sondern auch eine Gesellschaft,in der der einzelne über mehr als eine Identität verfügt.So war Pierre Elliot Trudeau,der vormalige kanadische Premierminister,sprachlich, kulturell und intellektuell sowohl "Québécois "(nach seinem Vater Trudeau)sowie auch Anglo-Kanadier (nach seiner Mutter Elliot).Aber nicht nur durch bikulturelle Eltern und Vorfahren,auch durch eine Vielfalt von verschiedenen Erziehungs-,Bildungs- und Lebensbedingungen (z.B.Anglo-Kanadier schicken ihre Kinder ins französische Lycée,Franko- Kanadier an die anglo-kanadischen Universitäten) ist in Kanada eine Gesellschaft im Entstehen,die dank ethnisch,sprachlich und historisch bestimmter Gruppen und Identitäten über eine im weitläufigen nordamerikanischen Raum einmalige Fähigkeit im Umgang mit Anderheit,Andersartigkeit,Fremdheit verfügt. Dabei war dies über weite Strecken der kanadischen Geschichte durchaus nicht so,ganz im Gegenteil.Die kanadische Geschichte kannte sehr wohl ihre antisemitische,rassistische Einwanderungs- ,Bildungs-und Berufszulassungspolitik;deshalb ist die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ja auch so interessant,weil sie einen bewußten Bruch mit Traditionen politischer Kultur darstellt,deren Folgen bis heute fortwirken und die gesamte Dynamik der Ausbildung einer Vielfachidentitätsgesellschaft prägen.Meines Erachtens können im einzelnen drei Kernthemen dieser Entwicklung unterschieden werden: 1.Das Verhältnis zwischen Englisch-und Französisch-Kanada bzw.die Frage der Unabhängigkeit oder Souveränität der Provinz Quebec. 2.Das Verhältnis zu den ihre kulturelle, ethnische,religiöse Identität nach Kanada mitbringenden Einwanderern und Flüchtlingen,die einen wesentlichen Beitrag zum Entstehen jenes Mosaiks geleistet haben,für welches in Kanada der Begriff des Multikulturalismus geprägt worden war.3.Das Verhältnis der Euro-Kanadier gegenüber den Ureinwohnern Kanadas,circa 1,2 Millionen Indianern und Inuits,welche sich ebenfalls in einem Prozeß der Entwicklung befinden,der gelegentlich als "Entkolonialisierung " bezeichnet wird.. Im folgenden will ich kurz zu diesen drei Themen Stellung nehmen.

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: ANGLO-KANADIERN FRANKO-KANADIERN UREINWOHNERN
Subjects: Philosophie > Philosophische Journale, Kongresse, Vereinigungen > Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst
Depositing User: Users 8 not found.
Date Deposited: 04 Aug 2004
Last Modified: 08 Sep 2011 18:51
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/931

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