Menschenrechte im Mohismus?

Sambor, Ronnie (2002) Menschenrechte im Mohismus? UNSPECIFIED. (Unpublished)

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Abstract

"Achsenzeit" nannte der deutsche Philosoph Karl Jaspers die Zeit, in der man sich in den
bedeutendsten Kulturen (Griechenland, Indien und China) unabhängig voneinander von den
Mythen abzuwenden begann und erstmals Philosophen auftraten. Dieser Begriff umfasst etwa
den Bereich vom 8. bis zum 2. Jahrhundert vor Christus und fällt in China mit der "Östlichen
Zhou-Zeit" (771-221 v.Chr.1 ) zusammen, die wiederum in die "Frühlings- und Herbstperiode"
(8.-5. Jh.) und in die "Zeit der Streitenden Reiche" (5.-3. Jh.) eingeteilt wird.
Spätestens seit dem 5. Jh.v.Chr. hatte sich zwischen den Landesherrn, die nominell noch
immer Vasallen des Zhou-Königs waren, ein durchtriebenes diplomatisches Ränkespiel um
die Macht im Staat entwickelt, das eine schier endlose Reihe von Kriegen der Fürstentümer
gegeneinander zur Folge hatte. Doch der Zerfall des Zhou-Reiches und die jahrhundertelang
andauernden Auseinandersetzungen brachten auch zahlreiche (größtenteils von Fürst zu Fürst
reisende und diese beratende) Philosophen hervor, die nach Gründen für das herrschende
Chaos und nach Wegen, dieses in den Griff zu bekommen, suchten. Daher wird diese Zeit
auch als "Zeit der 100 Schulen" bezeichnet.
Mo Di, der Begründer des Mohismus, lebte etwa von 480-390 v.Chr., d.h. er wurde ein Jahr
nach Konfuzius' Tod geboren. Bis zum dritten Jahrhundert waren Mo Dis Lehren denen der
Konfuzianer an Einfluss mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen, und der neben
Konfuzius wichtigste Vertreter des Konfuzianismus, Mencius (372-289 v.Chr.), zählte Mo Di
zu seinen schärfsten Konkurrenten.
Die späteren Mohisten empfanden die Notwendigkeit, ihrer Lehre eine tragfähige logische
Grundlage zu geben, um kritische Einwände der Dialektiker – den griechischen Sophisten
vergleichbar – auszuschalten. Wie diese beschäftigten sie sich mit der Logik und der
Erkenntnistheorie, jedoch nur um zu beweisen, dass diese zweitrangig seien.
Nach der großen "Bücherverbrennung" von 213 v.Chr. hatte der Mohismus stark an Einfluss
verloren und erholte sich im Gegensatz zum Konfuzianismus nicht mehr.
Erst in der zweiten Hälfte der Qing-Dynastie (letzte Dynastie Chinas: 1644-1911) und in den
ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist das Interesse an der Gedankenwelt des Mo Di
wieder neu erwacht.

Item Type: Other
Uncontrolled Keywords: Mohismus Menschenrechte Religionsfreiheit Religion Mo Di Meinungsäußerungsfreiheit Recht Pflicht Kulturleben Kunst Menschenpflicht Menschenliebe
Subjects: Philosophie > Seminararbeiten, Diplom, Dissertationen, Arbeitspapiere > Ethik und Sozialphilosophie, Rechtsphilosophie
Depositing User: Aban Budin
Date Deposited: 06 Dec 2020 13:19
Last Modified: 18 Mar 2022 14:19
URI: http://sammelpunkt.philo.at/id/eprint/2511

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