Sammelpunkt. Elektronisch archivierte Theorie

Cramers Theorie des Absoluten

Groß, Stefan (1996) Cramers Theorie des Absoluten. Tabula Rasa. Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken (12).

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Abstract

Postmetaphysische Denkvarianten und Differenzmodelle, wie sie im zeitgenössischen französischen Diskurs vor allem von Derrida diskutiert werden, haben Konjunktur. Derridas `differance'- ein Begriff-Nichtbegriff, der sich permanent allem Zugriff entzieht, mit dem Alles, aber auch wiederum Nichts bestimmt werden kann - wird letztlich zu einem Begriff der metaphysischen Tradition, gegen jene Derrida angetreten ist, deren Herrschaftsbegriff er zu destabilisieren suchte. Indem sich die `differance' jedem Zugriff entzieht, sichert sie sich ihre religiöse Autorität, wie Jürgen Habermas konstatiert.[2] Die `differance' zu bestimmen heißt sie negativ zu bestimmen. Sobald aber die Negativ-Bestimmtheit der negativen Theologie zur Bestimmtheit wird, muß sie erneut destruiert werden. Die `differance' wird somit selbst zu einem mythologischen Begriff der absoluten Unbestimmbarkeit. In dieser Offenheit der Bedeutung ist sie zugleich leeres Sein und leeres Nichts, Prinzip als Nicht-Prinzip, welches sich allem entzieht. Solange die Postmoderne ein Prinzip oder Nicht-Prinzip als Konstitutives oder ein zu destruierendes Konstitutives in den Vollzug ihres Denkens stellt, argumentiert sie metaphysisch. Die differance, die sich permanent entzieht, wird selbst zum unbestimmbaren Gott der Moderne. Wenn Derrida die Schrift als nicht durch Deutungsversuche zu vereinnahmende, die absolute Wahrheit der Metaphysik destruierende, postuliert, und daher so etwas wie Moderne etabliert, inkommodiert er die absolute Wahrheit der traditionellen Metaphysik. Indem Heidegger in "Was ist Metaphysik?" die Metaphysik negativ als Seinsvergessenheit expliziert, "insofern sie stets nur das Seiende als das Seiende, nicht an das Sein selbst"3 denkt, denkt er sie als die Verstellung der Eigentlichkeit von Sein. Das Seiende als Seiendes ist vom Sein verstellt. "Das Sein wird in seinem entbergenden Wesen, d.h. in seiner Wahrheit nicht gedacht."4 Nur wenn das Sein angedacht wird, wenn auf den Grund der Metaphysik als den anderen Anfang der Philosophie zurückgegangen wird, vermag sich die Wahrheit des Seins ereignen.5

Item Type:Article
Uncontrolled Keywords:Wolfgang Cramer, Absolutes
Subjects:Philosophie > Philosophische Disziplinen > Metaphysik
Philosophie > Philosophische Disziplinen > Ontologie
ID Code:135
Deposited By: Sissi Kemp
Deposited On:23 Mar 2002
Last Modified:08 Sep 2011 18:50

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