2.5 Ausblick
Ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im EDV-Bereich - besonderes im Software-Bereich - gestaltet sich sehr schwierig. Kaum ist der Text des Ausblicks fertiggestellt, hat die rasende Entwicklung in diesem Bereich die Realität schon so verändert, daß der "Ausblick" nur mehr "Schnee von gestern" ist. Trotzdem sollen hier einige Tendenzen dargestellt werden, die sich bei der Entwicklung des Internet abzeichnen.
2.5.1 Technische Entwicklung
2.5.1.1 Java
Die immer breitere Akzeptanz von Java und die Tatsache, daß alle namhaften Betriebssystemhersteller die Java VM 52 in ihr Betriebssystem einbauen, eröffnet eine Plattformunabhängigkeit, die vorher nicht denkbar gewesen ist. Als Resultat können intelligente Agenten in Java programmiert werden, die sich durch das Internet bewegen können.
Die Verwendung von Java zur Steuerung von einfachen Geräten wie Waschmaschinen oder Fernsehern kann zu einem vernetzten Haushalt führen, in dem sich der Mensch nur mehr als Ziel verschiedenster Programmöglichkeiten bewegt, die Programme selbständig miteinander kommunizieren und die Umwelt des Menschen für ihn führen.
2.5.1.2Internet Protocol, next Generation (IPng)
Das Internet Protokoll wie es im Kapitel 2.2.1.1 beschrieben wurde, hat in manchen Bereichen seine Kapazitätsgrenze erreicht. Durch das massive Wachstum der Internet-Server und der Praxis der Vergabe von IP-Adressen in unterschiedlichen Netzklassen, können mit den 32 Bit einer Adresse erheblich weniger als rechnerisch vier Billionen Rechner adressiert werden. In Class A und Class B Netzen wird kaum jemals die maximale Anzahl an Rechnern installiert sein und eine noch stärkere Vergabe von Class C Adressen führt zu einer zu hohen Belastung für die Router.
Seit Anfang 1996 sind Überlegungen in den RFCs 1883 bis 1887 über die Erweiterung des Adreßraums durch die Verwendung eines 128 Bit Schlüssels spezifiziert worden. Eine Strategie der Koexistenz von IPv4 und IPv6 wird in RFC 1933 festgelegt.
Ipv6 bietet zusätzlich Mechanismen zur Verschlüsselung und Authentifizierung. Außerdem ist es in Ipv6 möglich bestimmte Parameter der Dienstgüte für eine IP-Verbindung anzufordern, was besonders Multimendia-Anwendungen erleichtert.
2.5.2 Wirtschaftliche Veränderungen
In den meisten Bereichen der Wirtschaft hat ein Wettlauf um den neuen Markt im Internet begonnen. Aus dem Wirrwarr der Begriffe von "e-business" über "e-commerce" zu "business-to-business" kristallisiert sich eines klar heraus: Das Internet scheint für die Ökonomen die Spielwiese des nächsten Jahrtausends zu werden. Das Gold scheint in diesem Bereich förmlich "auf der Straße" zu liegen. In Abbildung 3 ist die Entwicklung des Internets nach Branchen zu erkennen.

Abbildung 3
Der Überbegriff "e-business" umfaßt sowohl den Bereich Internet-Handel, in dem Unternehmen mit Kunden in Kontakt treten, als auch einen zweiten Bereich, in dem Unternehmen mit Unternehmen in Kontakt treten. Der erste Bereich wird auch als
"e-commerce", der zweite auch als "business-to-business" Bereich bezeichnet. Die großen Umsatzsteigerungen sind in naher Zukunft eher in dem Business-to-Business-Bereich zu erreichen, da die Durchdringung der Haushalte noch nicht sehr hoch ist und die Bereitschaft des Endkunden über das Internet einzukaufen meist an Sicherheitsaspekten und technischen Problemen scheitert.
Im Zuge der Veränderung der globalen Wirtschaft erachten Unternehmen eine Entwicklung in vier Schritten als wahrscheinlich. In Abbildung 4 ist dieses sogenannte "Four box model" dargestellt.

Abbildung 4
Man geht davon aus, daß in einem ersten Schritt die Marktbearbeitung optimiert wird. Das Unternehmen versucht, seine bestehenden Prozesse ins Internet zu erweitern. in dieser Phase sind die Investitionen relativ hoch, die Veränderung im Unternehmen kann aber noch nicht als drastisch bezeichnet werden.
In einem zweiten Schritt werden die für die Wertschöpfungskette des Unternehmens zentralen Prozesse auf das Internet ausgeweitet. Das Unternehmen wird mit den wichtigsten Partnern über das Internet direkt verbunden und umfangreiche Business-to-Business Lösungen dominieren diese Phase.
Im dritten Schritt beginnen sich die traditionellen Rollen in der Wirtschaft zu verändern. Viele Aufgaben, die im heutigen Wirtschaftsgefüge notwendig sind, wie zum Beispiel die Rolle der Handelshäuser, werden sich mit zunehmender Ausbreitung des Internets stark verändern oder sich zur Gänze erübrigen. Wenn der Konsument die Waren im Internet ebenso gut aussuchen kann und bequemer bestellen kann, ist ein Handelsunternehmen als Vermittler zwischen Produzenten und Konsumenten nicht mehr notwendig.
Am Ende dieser Entwicklung beginnen gesamte Wirtschaftszweige zu konvergieren. beginnen. So wie heute jeder Telefonanbieter auch schon einen Zugang zum Internet und teilweise auch Fernsehen anbietet, werden sich immer größere Konglomerate von Unternehmen bilden, die durch die Veränderung, die das Internet auf unsere Welt ausübt, die Rollen von verschiedensten Wirtschaftsträgern übernehmen.

Abbildung 5
Nach Meinung der Wirtschaftswissenschaften wird das Internet die Struktur der heutigen Wirtschaft extrem stark verändern. Die traditionellen Rollen der Produzenten, Vermittler und Konsumenten werden durch ein Netzwerk von Spezialisten abgelöst, die die verschiedenen Aufgaben der Wirtschaft übernehmen. In Abbildung 5 wird das Netzwerk in der von Wissenschaftlern des MIT gesehenen Art und Weise dargestellt. Der Konsument tritt auf der Suche nach bestimmten Marken mit den Marketing-Unternehmen in Kontakt. Die Markenentwicklung selbst wird an ein Design-Unternehmen ausgelagert. Das Marketing-Unternehmen wird über den Information-Brooker den Prozesspezialisten, die Transportkapazität und die Produktionskapazität ermitteln. Der Prozesspezialist definiert den Transport und den Produktionsprozeß bis die Waren den Kunden erreichen. Zwischen den einzelnen Rollen laufen automatisierte Schnittstellen. Das Vehikel, auf dem dieses Netz von wirtschaftlichen Einheiten "reiten" soll, ist das Internet.
Meiner Überzeugung nach wird eine solche Entwicklung eher früher als später zum Tragen kommen. Die Angst vor der Konkurrenz beschleunigt diesen Prozeß in den einzelnen Unternehmen und die technische Entwicklung heizt das Szenario zusätzlich an. Firmen, denen es nicht gelingt, einen neuen eigenen Platz in diesem Gefüge zu finden, werden in Zukunft höchstens in Nischenmärkten weiterleben können. Damit wird das Internet zum Katalysator für einen wirtschaftlichen Wandel, wie wir ihn in der industriellen Revolution vielleicht das letzte Mal erlebt haben.
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52 "Virtual Machine"