Eine mögliche Methode sich dem Begriff Mystik zu nähern ist die Analyse der religionskundlichen Typologien oder auch der kulturgeschichtliche Vergleich. So läßt sich die Sprache und Bilderwelt der mystischen Berichte in verschiedene Typen unterscheiden. Man könnte eine personale von einer apersonalen oder eine pantheistische von einer theistischen Mystik abgrenzen.
Dem Begriff selber kann man in dieser Weise nach Schmid 65 aber nicht näher kommen, da mit den oft bewußt widersprüchlichen Bildern und Konzepten Erlebnisse der Mystik oder Erleuchtung umschrieben werden. Man typisiert auf diese Weise also die Mittel zur Begriffsbildung und nicht den Begriff selbst.
Auch die Unverständlichkeit mystischer Aussagen in den Mittelpunkt zu stellen und daraus zu schließen, daß der Weg zum mystischen Erleben unheimlich schwer ist und für normale Menschen nicht zu schaffen, ist nicht wirklich zielführend. Meister Eckehart formuliert im Gegenteil:
"Niemand soll glauben, daß es schwer sei, hierzu zu gelangen, wenngleich es schwer klingt und auch schwer ist am Anfang und im Abscheiden und Absterben gegenüber allen Dingen. Aber, wenn man (erst) hineinkommt, so hat es nie ein leichteres, lustvolleres und liebenswerteres Leben gegeben." 66
Die Beurteilung, ob das mystische Erlebnis "rechtsgläubig" ist oder nicht, stellt eine sehr oberflächliche Frage dar.
Wenn man so nach den "Wurzeln" der Mystik frägt, so ist festzustellen, daß kaum eine Mystik nur aus einer einzigen Wurzel kommt. Meist fußt ein solches Erlebnis auf der Kombination verschiedener Glaubensrichtungen.
Untersucht man Mystik im Hinblick darauf, inwieweit der Mystiker sein Erlebnis in eine Glaubensgemeinschaft einbringen kann, so hat das mit dem Erlebnis selbst wenig zu tun.
Das mystische Erlebnis kann also nicht Gegenstand der Mystologie sein. Der Mystologe erforscht den Weg des Mystikers zu seinem Erlebnis.
Ein Erlebnis ist ein Geschehen im Leben eines unverwechselbaren Individuums. Mystiker sind Menschen, die ihr Selbst leben lassen und daher Individualisten im ursprünglichsten Sinn des Wortes sind. Deshalb ist es zielführend zu verstehen, wie ein Mystiker zu seinem Erlebnis gekommen ist. Aber der Versuch Typologien des mystischen Erlebens zu erstellen, kann nicht zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.