3.5 Abgrenzungen des Begriffs Mystik

3.5.1 Zen und Mystik

Die Zen-Schule (eigentlich Chhan-Schule) entstand im 5 Jh. nach Christus in China, als durch buddhistische Religionen ab dem zweiten Jahrhundert. immer wieder Texte aus Indien nach China kamen. "Ein anderes charakteristisches Ergebnis des chinesischen Buddhismus war die Chhan-(Zen)Schule. Sie war reinste Mystik und wurde vermutlich von dem Inder Bodhidharma (Ta-Mo) gegründet, der um 475 starb. Sie verwarf jegliche Philosophie und stützte sich ausschließlich auf mystische Einsichten in Verbindung mit intensiver und ausgedehnter Kontemplation. Der Chhan wurde oft für eine Art Buddhismus gehalten, die ihr Entstehen zum Großteil taoistischen Einflüssen zu verdanken hat." 85 Zen als Religion setzte sich ab dem zwölften Jahrhundert auch stark in Japan durch. Es wurde zu einer einzigartigen Mischung der typischen japanischen Lebensweise, der Mystik Indiens und der taoistischen Liebe zur Natürlichkeit, verbunden mit dem Pragmatismus konfuzianischer Denkweise.
Im Zentrum steht das Erlebnis der Erleuchtung. Die restliche buddhistische Lehre tritt eher in den Hintergrund. Zen ist die Erfahrung der Erleuchtung und da diese Erfahrung alle Denkkategorien überschreitet, ist Zen an keinerlei Abstraktion oder begrifflichem Denken interessiert. Zen wird auch als "Eine besondere Übermittlung jenseits von Schriften, nicht gegründet auf Wörter und Buchstaben, direkt auf den menschlichen Geist zeigend, in die eigene Natur blickend und Buddhatum erreichend" 86 beschrieben.
Eine Methode der Wissensweitergabe des Zen besteht in den Koans z.B. das Mumonkan 87. Sie sollen an ein Erlebnis der Unmittelbarkeit heranführen. In kurzen Geschichten wird gezeigt, daß Mystik ein Durchbruch zu einer Wirklichkeit und gleichzeitig Nicht-Durchbruch ist, weil diese "neue" Wirklichkeit nie von der Wirklichkeit verschieden war. Im Gegensatz zum asketischen Leben der Buddhisten zielt Zen auf die Erleuchtung im täglichen Leben ab. Der Erleuchtet erfährt die Mysterien des Lebens in jeder einzelnen Handlung:
"Wie wunderbar, wie geheimnisvoll!
Ich trage Brennholz, ich hole Wasser!" 88

Zen glaubt an die Vollkommenheit unserer ursprünglichen Natur. Die Erleuchtung besteht darin, wieder so zu werden, wie wir eigentlich von Anfang an waren. Am Weg dorthin unterscheidet Zen die "Rinzai" Schule, die durch plötzliche Erkenntnis die Erleuchtung erlangen will und die "Soto" oder allmähliche Schule, die durch allmähliches Reifen des Zen-Schülers Erleuchtung erlangen will. Meditation ist in beiden Schulen ein zentrales Moment.
Mystik in Sinne des Zen ist Unmittelbarkeit, das Einssein von Wahrheit und Erleben. In einem der Koans wird die Suche nach Mystik so beschrieben:
"Ein Meister wurde von einem neugierigen Mönch gefragt: "Was ist der Weg?"
"Er ist gerade vor Deinen Augen", sagte der Meister.
"Warum sehe ich ihn nicht?"
"Weil Du an Dich selber denkst".
"Und Du: Siehst Du ihn?"
"Solange du doppelt siehst und sagst: "ich sehe nicht" und "Du siehst" und so weiter, sind Deine Augen getrübt" sagte der Meister.
"Wenn es weder "ich" noch "Du" gibt, kann man ihn sehen?"
"Wenn es weder "Ich" noch "Du" gibt, wer ist derjenige, der ihn sehen will?"" 89

Als Erlebnis der Unmittelbarkeit kennt Mystik in diesem Sinne kein Vorher und kein Nachher. Es ist ein Erlebnis, das aus dem zeitlichen Rahmen fällt. Daher kann es auch keine Nachahmung und Übermittlung geben. Vermittelte Unmittelbarkeit wäre ein Widerspruch in sich.

3.5.2 Buddhismus und Mystik

Viele der neuen Strömungen, die mystische Inhalte transportieren, berufen sich auf den Buddhismus oder fußen auf dessen Gedankengut. Der Buddha ist das Zeichen für den Erleuchteten schlechthin. Der Buddhismus als Weltreligion läßt sich in zwei Hauptrichtungen, den Hinayana und den Mahayana-Buddhismus unterscheiden.
Der Hinayana-Buddhismus ist die orthodoxe Schule des Buddhismus, der aus der wörtlichen Lehre Siddharta Gautamas, einer historischen Person aus dem siebten Jhd. v. Chr. – des "Buddha" - besteht.
Der Mahayana-Buddhismus nimmt eine flexiblere Stellung zur wörtlichen Lehre ein. Hier wird der Intellekt lediglich als Mittel betrachtet, den Weg zur direkten mystischen Erfahrung freizumachen, welche die Buddhisten "Erwachen" nennen. Das Wesen dieser Erfahrung liegt darin, daß die Grenzen der intellektuellen Unterscheidungen und Gegensätze überschritten werden, um die Welt von "acintya" zu erreichen, das Undenkbare, wo die Wirklichkeit als ungeteiltes und undifferenziertes >So-Sein< erscheint.
Kern der Lehre Siddharta Gautamas sind die vier edlen Wahrheiten:

  • "dukha" – das Leiden, entsteht durch die Unfähigkeit einzusehen, daß alles um uns herum unbeständig und nur ein Übergang ist. "Alle Dinge entstehen und vergehen" und wenn wir dem Fluß des Lebens widerstehen entsteht Leiden.
  • "trishna" – das Klammern oder Greifen, bezeichnet die falsche Anschauung des Lebens, die wahrgenommene Welt in individuelle, einzelne Dinge unterteilen zu wollen.
  • Die dritte Wahrheit behauptet, daß der Kreis des Leidens und der Frustration beendet werden kann. Die Fessel des Klammern und des Leidens kann abgeworfen werden und die völlige Befreiung, das Nirvana (aus dem Sanskrit Nir Awa – das "nicht Ich") kann erreicht werden.
  • Die vierte Wahrheit ist Siddharta Gautamas achtfacher Weg der Selbstentwicklung – eine Methode zum Erreichen des Nirvana.
  • 3.5.3 Philosophie und Mystik

    "Die Fremdheitserfahrung der Gnosis in der Welt und die Einheitserfahrung der Mystik mit dem Göttlichen entsprechen dem Bewußtheitszustand des Menschen am Ende der Moderne." 90
    Koslowski bezeichnet Philosophie als Liebe zur Weisheit. Weisheit zielt für ihn auf die umfassende Erkenntnis des Seienden. Auch Mystik strebt die Erkenntnis von Einheit und Ganzheit an, eine Erkenntnis, die einen stärkeren Erlebnis- und Erfahrungscharakter mit dem Göttlichen hat als die Philosophie. In der Mystik konvergieren Philosophie und Religion im Erlebnis von Einheit und Ganzheit. Religion und Philosophie werfen der Mystik Weltflucht und Selbstgenuß vor. Sie entziehe sich der sittlichen Forderung nach Gestaltung der Welt und tätiger Bewältigung des Alltags. Philosophisch und religiös anspruchsvolle Mystik hat daher die asketische Übung des Selbst und die Tätigkeit in der Welt, als Ausgleich zur mystischen Versenkung, gefordert.
    Mystik betrachtet als Ausprägung der Philosophie manifestiert sich im Ausdruck der Selbsterfahrung und in der Sorge des "Selbst" um sich. In der Mystik findet sich nach Jahrzehnten eines "wissenschaftlichen" Materialismus das Selbst-Bewußtsein der Postmoderne wieder. Offenbar ist es für den Menschen schwer, sein "Selbst" angemessen zu begreifen. Er denkt entweder von sich zu niedrig - wie im reduktionistischen Materialismus - oder zu hoch - wie im idealistischen Narzißmus.
    Mystik geht in ihrer Erfahrung von Einheit über die Erfahrung der monadischen "Einheiten" der sichtbaren Dinge hinaus, hin zu einem gemeinschaftlichen Band aller Dinge.
    Philosophische Mystik ist also keine Form des Irrationalismus, sondern der Versuch, mit den Mitteln der Vernunft und des Gefühls an die Grenzen des Erkennbaren vorzustoßen. Sie fußt auf der Überzeugung, daß das wahre Wissen das menschliche Selbst in seinem Innersten ergreift und verändert.

    3.5.3.1 Eine kurze Geschichte von Philosophie und Mystik

    Natürlich würde es den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen, die jahrhundertelange Auseinandersetzung der Philosophie mit dem Begriff "Mystik" aufzuzeigen. Daher sollen nur einige kurze Zitate dargestellt und bewertet werden, um einen Eindruck über diesen Themenbereich zu verschaffen.
    In der Aussage von Parmenides, daß alles Eins sei, daß das Viele nicht sei, daß Beweggrund und Mannigfaltigkeit Schein sei und Denken und Sein dasselbe sei, wird dem Denken kein Ort außerhalb der Allheit belassen. "... und wer will, könnte das "Mystik" nennen." 91
    Auch Nietzsche meinte, der Grundgedanke des Eleatismus, daß Alles Eins sei, basiert auf einer mystischen Intuition.
    Bei Wittgenstein finden sich:
    "6.43 Es [ist] gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.
    6.432 Das Gefühl der Welt als begrenztes Ganzes ist das Mystische.
    6.44232 Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist." 92
    Wie Wittgenstein kann man aber das mystische Ende des Tractatus zum Anlaß nehmen, über die Prämissen des Resultats neuerlich nachzudenken. So wurde Mystik analysierbar und als selbstverschuldete Aporie durchschaut.
    Auch Platon betrachtete die eleatische Philosophie, die am Ende zum Verstummen führt, als Denkfehler. Philosophie muß angesichts drohender Katastrophen praktisch werden. Das kann sie aber nur, wenn sie die Berufung auf das Unaussprechliche als hohle Erhabenheit entlarvt.
    Plotin schuf ein System, in dem das Denken um ein einziges Letztes kreiste. Es war unsagbar und wurde daher als negative Theologie und letzte Weisheit bezeichnet. "Die Geschichte der philosophischen Mystik, das ist die Geschichte des Plotinismus" 93
    Dionysius Areopagita wandte die Philosophie Plotins auf die biblischen Schriften und Vorstellungen an. Das Wort Mystik gehörte in die hellenistischen Mysterienreligionen. Es wurde aber von den Kirchenvätern aufgegriffen und mit einigen Bedeutungsverschiebungen ins mittelalterliche Latein übernommen:

    In einem nächsten Schritt mußte die kognitive Anhänglichkeit an Phantasievorstellungen biblischen Ursprungs aufgegeben werden. Indem man sich von den Vorstellungen eines außerhalb Seienden löste, war der Weg frei für ein Konzept der "Reinigung". Man kehrt ein, in das Selbst, im Sinne einer Selbstbesinnung. Nach Augustinus "Geh nicht nach draußen! Im inneren Menschen wohnt die Wahrheit" 94.
    Der nächste Schritt in der Entwicklung, die Erleuchtung, war kein mystischer Vorgang, sondern ein Sich-Klarwerden darüber, daß die metaphysische Voraussetzung von Alltagserfahrungen die Einheit im göttlichen Logos bedeutet. Darüber stand das "Eine, jenseits des Seins und des Denkens" als das Unbestimmbare, das Nichts alles Bestimmten.
    Die dritte Erfahrungsstufe war die Einigung - der Prozeß, in dem der Intellekt im Abgrund des Bestimmungslosen versinkt. Nach der Vorstellung des Mittelalters gab es zwei mögliche Entwicklungen:

    3.5.4 Mystik im Christentum

    G. Schmid positioniert Mystik in Bezug auf christlichen Glauben folgendermaßen: "der christliche Glaube ist Begegnung mit einer Wahrheit, die alle Kategorien und Distinktionen, wie auch die Unterscheidung von "Mystik" und "Nichtmystik" weit hinter sich zurückläßt." 95
    "Religion können wir definieren als den Versuch des Menschen, Unmittelbarkeit zu vermitteln." 96
    Mit religiösen Vorstellungen und Bildern schützt sich der Mensch gleichzeitig auf zwei Ebenen. Gott bleibt erreichbar als Zeichen, das ich ihm setzte und gleichzeitig rückt er mir nie zu nahe. Gott im Zeichen ist immer noch ein außerhalb Gesetzter, ein Gegenüber, von dem ich mich distanzieren kann. Deshalb ist gesunde Religiosität immer eine Frage nach der optimalen Distanz.
    In der Mystik verlieren alle religiösen Zeichen und Traditionen ihren vermittelnden Wert. Der Mystiker ist ohne Distanz zu Gott und kann seinen Zustand so auch als extreme Gottferne empfinden. Diese fehlende Distanz begründet auch das Spannungsverhältnis zwischen Mystik und Religionen. Mystik initiiert Religionen, kann aber auch religiöse Traditionen brechen.
    Die überkommene Spiritualität entpuppt sich in der Krise oft als untaugliches Mittel. Sie ermuntert den Menschen nicht zu neuen Begegnungen mit Wirklichkeit, sondern schützt tradierte Erfahrungsreste mit implizit fundamentalistischen Sicherheitsmaßnahmen.

    3.5.4.1 Mystisches Erleben im Christentum

    Obwohl im heutigen Christentum kein Platz mehr für mystische Erlebnisse vorgesehen ist, kommt es dennoch zu solchen Eindrücken. Trotz aller Aufklärung gilt noch immer "Der Geist weht wo er will" 97. In der Regel wird die spontane Erfahrung durch den christlichen Zwang zur Dauerreflexion solange verwässert, bis sie endgültig zerstört ist. Nur selten gelingt die Integration solcher Erfahrungen in den starren Rahmen einer christlichen Gemeinschaft. Keine Religion wurde so oft aufgeklärt wie das Christentum. Am Ende stand die Überzeugung, daß sich nur noch glauben läßt, was sich entweder vernünftig reflektieren läßt oder zumindest der Vernunft nicht widerspricht.
    "Mir scheint, daß die christliche Spiritualität der Gegenwart den Postulaten der Aufklärung immer noch zwanghaft einseitig begegnet." 98
    Religion und Mystik sind daher manchmal Gegner, schließen sich aber nicht aus. Die Konfrontation bringt dem Mystiker Klarheit über seine Erfahrungen und dem Gläubigen die Möglichkeit, sich aus dem Zwang der Dogmen, Vorschriften und Rituale zu befreien und sich wieder auf die Suche nach Erfahrungen zu begeben.
    Wenn Religion aber in institutionalisierter Form auf Gott als Macht gerichtet ist, schließt sie die Erfahrung aus, daß die letzte Wirklichkeit mit allem eins ist, und steht damit in krassem Widerspruch zur Mystik.
    Kein Mystiker übernimmt die Zeichen des anderen. Jeder hat sein unmittelbares Erleben. Für Meister Eckehart ist "Gott sehen" gleichbedeutend mit "Nichts sehen". Der blinde Paulus aus der Apostelgeschichte wird zum Inbegriff des Erleuchteten.
    "Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts." 99
    "Ein weiteres meint er, wenn er sagt "er sah nichts". Unsere Meister sagen: Wer an äußeren Dingen irgend etwas erkennt, dem muß etwas "einfallen", zumindestens ein "Eindruck". Wenn ich ein (Ab-) Bild von einem Dinge, etwa von einem Steine, gewinnen will, so ziehe ich das Allergröbste (davon) in mich hinein; das ziehe ich außen (von ihm) ab. So aber, wie es in meiner Seele Grunde ist, da ist es im Höchsten und Edelsten, ist es nichts als ein (geistiges) "Bild". Bei allem, was meine Seele von außen her erkennt, fällt etwas Fremdes (in sie) ein; was ich aber an Kreaturen in Gott erkenne, dabei fällt nichts (in die Seele) ein als Gott allein, denn in Gott ist nichts als Gott. Wenn ich alle Kreaturen in Gott erkenne, so erkenne ich (sie als) nichts. Er sah Gott, in dem alle Kreaturen nichts sind. 100
    Die Idee hinter den Ausführungen von Meister Eckehart bedeutet, daß jeder Gedanke, jedes Bild, jedes Gleichnis, jede Vorstellung, jedes Wort, jedes Gefühl und jede Erfahrung im Geschaffenen wurzelt. Daher ist Gott nur im Nichts unmittelbar zu erkennen.
    Dieses Nichts ist ein Fehlen von Distanz zwischen Gott und dem Mystiker. Es gibt keine Formel und kein Ritual, das mit Garantie zum eigenen Erleben führt. Ebenso gibt es keine magisch errungene oder erzwungene Unmittelbarkeit. Unmittelbarkeit läßt sich daher auch nicht religiös tradieren. Als reflektierte Unmittelbarkeit wird sie zur Erzählung und kann so höchstens neues Erleben initiieren.
    Mystik im Christentum zeigt sich auch im Umgang mit Artefakten für die einen eine bloße Textsammlung von Weisheiten, für andere aber Gegenstände, die mit - schwammig formuliert – "Heiligkeit" behaftet sind.
    So sind im nordamerikanischen Raum zwei verschiedene Positionen der Bibelauslegung entstanden. Im "Literalism" sieht man die Bibel als spirituelles Ganzes,ein kritisches Verständnis der Bibel steht dazu im Gegensatz.

    3.5.4.2 Kritisches Analysieren der Bibel

    Die Inhalte der Bibel werden bei dieser Position im kulturellen Kontext der Epochen betrachtet. Früher galt diese Vorgangsweise als "respektlos", doch heute verstehen die meisten darunter nur eine genauere Analyse. In theologischen Zirkeln kommt man zwar von dieser Methode wieder ab, da sie im Sinne der Kirchenväter keine Spiritualität und kein Leben entwickeln kann, doch wählt man auch nicht den gegensätzlichen Weg des wörtlichen Verständnisses (Literalism).
    "The collapse of Biblical theology as a strong and viable hermeneutic, the emergence of narrative theology and literary critical methods of exegesis, the impact of semiotics and deconstruction, the development of social science methods of analysis - all are connected by a common epistemological thread which moves away from the distinction between the phenomenal and noumenal to the phenomena of sense experience itself". 101

    3.5.4.3 Wörtliches Verständnis der Bibel (Literalism)


    Diese Position ist eine Reaktion des konservativen Flügels der nordamerikanischen Theologie, die wohl aus Furcht vor einer Welt entstanden ist, in der religiöse Texte eine soziale Komponente haben und sich das Sozialgefüge sehr schnell ändert. Das massenhafte Verbreiten von Informationen bewirkt, daß viele idente Texte im Umlauf sind. Diese Tatsache ermöglicht das Erstellen einer persönlichen Hierarchie, in der religiöse Texte nach ihrer Bedeutsamkeit für den individuellen Lebensbereich gestaffelt werden können. Für den Fundamentalisten steht an erster Stelle die Bibel, da dieser Text für ihn sehr bedeutsam ist. Auch schwer verständliche Textteile können als bedeutsam eingestuft werden - die Problematik muß eben erst entschlüsselt werden. Die Bibel wird in diesem Sinne "ehrfurchtsvoll" gelesen (worshipful reading) und auf diese Weise zum Richtstab für alle religiösen Bereiche - in einigen Enklaven sogar zum Fetisch gegen das moderne Leben.
    "Literalism" hat einen ganz eigenen Reiz:

    3.5.5 Mystik und Naturwissenschaft

    Naturwissenschaft und Mystik müssen nicht zwei gegensätzliche Pole darstellen, sondern auch "zwei Haltungen, die einander ergänzen können, wenn beide ihre Grenzen erkennen, wenn Mystik die sichtbare Wirklichkeit nicht zu einer Illusion erklärt und die Wissenschaft nicht den Anspruch erhebt, auch den tiefsten Grund der Wirklichkeit erkennen zu können." 102

    3.5.5.1 Physik und Mystik

    3.5.5.1.1 Einführung

    Auch in der Physik findet sich eine Tendenz in Richtung Mystik. Religiöse und theologische Betrachtungen zu Ergebnissen physikalischer Grundlagenforschung, wie den beiden grundlegenden physikalischen Theorien (Relativitätstheorie und Quantenmechanik), werden seit den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts angestellt. Einer der ersten Wissenschaftler, der die zuerst sehr unsachlich und polemisch geführte Debatte im deutschen Sprachraum auf ein sachliches Niveau hebt, ist E. Schrödinger. Er geht in seinem Werk "Was ist Leben" 103 auf die Ähnlichkeit von Quantenmechanik und Hinduismus im Hinblick auf die Rolle des menschlichen Bewußtseins ein.
    Später erörtert C.F. von Weizäcker in seiner Arbeit "Die Einheit der Natur" 104 auf einigen Seiten theologische Fragestellungen, die größere Breitenwirkung erzielen.
    Im angloamerikanischen Sprachraum folgen F. Capra und S. W. Hawking, deren Werke schon fast auf den Bestseller-Listen landen. Capra neigt eher zu mystischen Anschauungen asiatischer Provenienz; Hawking eher zu Agnostizismus.
    Gemeinsam ist diesen Werken, daß der Anstoß zu diesen Fragestellungen von den Physikern und nicht von den Theologen ausgeht.

    3.5.5.1.2 Mystik und Physik bei Fritjof Capra

    In seinem Werk "The Tao of Physics" versucht Capra, die Erkenntnisse der modernen Physik in ein mystisches Weltbild einzubetten. Als Physiker geht er naturgemäß von einem rational – methodischen Standpunkt der Welt aus. Er betrachtet die Welt mit den Augen der Physik, also als Schlüssel zur Erkenntnis der Welt.
    "Der Einfluß der modernen Physik geht jedoch über die Technik hinaus. Er erstreckt sich bis in das Denken und die Kultur und führte zu einem gründlichen Wandel des Weltbildes und der Beziehung des Menschen zum Universum. Die Erforschung des Atoms und dessen Bestandteile im 20. Jahrhundert enthüllte eine unerwartete Begrenzung der klassischen Vorstellungen und machte eine radikale Revision vieler unserer Grundbegriffe erforderlich. ... Das gleiche gilt für Begriffe wie Raum und Zeit oder Ursache und Wirkung. Diese Begriffe liegen jedoch unserer ganzen Weltanschauung zugrunde, und mit ihrer radikalen Umwandlung begann sich auch diese zu ändern." 105
    Ich halte diese Sicht der Entwicklung für zu einseitig oder um ein Zitat zu bemühen "zu wenig tief geschnitten." Das Verständnis der Welt aus der Physik abzuleiten, kann sicher keine Allgemeingültigkeit haben. Etwas später entwickelt er aber einen Gedanken, der die Definition von Mystik als Einssein mit allem auch auf die moderne Physik ausdehnt, was ich sehr interessant finde. "Die moderne Physik führt uns zu einer Anschauung der Welt, die den Ansichten der Mystiker aller Zeitalter und Traditionen sehr ähnlich ist." 106
    Natürlich wird hier der Begriff Mystik sehr oberflächlich gefaßt, aber allein die Intention, Physik als Abbild von Mystik zu macht dieses Werk bedeutsam.
    Capra definiert Physik als "Ihr Ziel war die Entdeckung des Urgrundes oder der Urbeschaffenheit der Dinge, die sie >Physis< nannten. Der Begriff >Physik< ist von diesem griechischen Wort abgeleitet und bedeutete daher ursprünglich das Bemühen, den Urgrund aller Dinge zu erkennen." 107; und leitet dann die Parallelität von Physik und Mystik direkt von Thales und Anaximander ab: "So erklärte Thales alle Dinge als von Göttern und Anaximander sah das Universum als eine Art Organismus, der vom >Pneuma<, dem kosmischen Atem, unterhalten wird." 108 In weiterer Folge zieht er dann noch Heraklit zu, der seiner Meinung nach fast östliche Mystik lehrte: "die Parallelen zur östlichen Gedankenwelt sind in der Philosophie des Heraklit von Ephesus sogar noch stärker ausgeprägt. Heraklit glaubte an eine Welt ständigen Wandels, des ewigen >Werdens<. Für ihn war alles statische Sein eine Täuschung und sein Universalprinzip war das Feuer, ein Symbol für den ständigen Fluß und Wandel aller Dinge. Heraklit lehrte, daß aller Wandel in der Welt vom dynamischen und zyklischen Zusammenspiel von Gegensätzen herrührt, und er sah jedes Paar von Gegensätzen als Einheit." 109
    Dieses Bild der griechischen Denktradition wurde so weit vereinfacht, daß es kaum die Weltanschauung der damaligen Zeit, sondern nur die für Capra apssenden Aspekte der Weltanschauung darstellt. Der Fokus ist so eng gefaßt, daß das Bild zum Trugbild wird.
    Auf dieser Grundlage führt Capra dann die Spaltung von Physik und Mystik bis in unsere Zeit fort und versucht sie mit den Erkenntnissen der Quantenphysik zu verbinden. Parallel dazu entwickelt er den Begriff "Avidya" aus der buddhistischen Philosophie als Zustand eines gestörten Geistes – des westlichen Geistes, der durch die cartesianische Trennung die Welt mechanistisch in verschiedene Objekte und Vorgänge zersplittert. "Wenn der Geist gestört ist, wird die Vielfalt der Dinge produziert, aber wenn der Geist beruhigt wird, verschwindet die Vielfalt der Dinge." 110 Einen erleuchteten Geist sieht er im Gegensatz dazu als: "Das höchste Ziel ihrer Jünger – ob Hindu, Buddhist oder Taoist – ist, der Einheit und gegenseitigen Beziehung aller Dinge gewahr zu werden, den Begriff des isolierten individuellen Ich zu überwinden und sich mit der >letzten Realität< zu identifizieren. Dieses Gewahrwerden – bekannt als >Erleuchtung< - ist nicht ein intellektueller Vorgang, sondern eine Erfahrung, die den ganzen Menschen erfaßt und letztlich religiöser Natur ist." 111 Diese Definition würde ich in der Tat als gut getroffen bezeichnen für das, was ein mystisches Erlebnis ausmacht.
    Capra unterscheidet zwei verschiedene Arten von Wissen. Das >rationale Wissen< "... leitet sich von den Erfahrungen ab, die wir mit Gegenständen und Ereignissen in unserer alltäglichen Umgebung machen." 112. Er bezeichnet es auch als relatives Wissen, den Gegensatz dazu bildet das >absolute Wissen< "Es ist, so sagen die Buddhisten, die direkte Erfahrung des undifferenzierten, ungeteilten, unbestimmten >So-Seins<. Das vollständige Begreifen dieses So-Seins ist nicht nur der Kern östlicher Mystik, sondern auch das zentrale Merkmal aller mystischer Erfahrung" 113. Das absolute Wissen kann niemals durch logisches Folgern erkannt oder demonstriert werden. Die angemessene Beschreibung durch Worte ist unmöglich, da die zu beschreibende Wirklichkeit jenseits des Reiches der Sinne und des Intellekts liegt, aus dem unsere Worte und Begriffe stammen.
    "Absolutes Wissen ist somit eine völlig nicht-intellektuelle Erfahrung der Wirklichkeit, eine Erfahrung, die in einem ungewöhnlichen Bewußtseinszustand auftritt, die man einen >meditativen< oder mystischen Zustand nennen kann." 114
    Rationales Wissen entsteht durch Sammeln experimenteller Ergebnisse, Abstraktion dieser Ergebnisse in ein mathematisches Schema mittels mathematischer Symbole und Anwendung des Schemas für die Vorhersage von Resultaten weiterer Ergebnisse. Im letzten Schritt werden diese Schemata in allgemein verständliche Worte übersetzt.
    Das mystische Wissen erlangt man im Gegensatz dazu nur durch Erfahrung. Die buddhistische Zen-Schule (siehe 3.5.1) geht dabei soweit, "keine Worte, keine Lehren und kein Wissen" 115 zu haben.
    Capra findet nun die Parallele zwischen diesen Denkrichtungen in der Gründung des Wissens auf Erfahrung in der Mystik und dem Experiment in der Physik. So gilt in fast allen buddhistischen Schulen das "Schauen" als Basis des Wissens. Allerdings ist dieses "Schauen" im mystischen Sinn meiner Meinung nach kaum mit dem experimentellen Betrachten eines Physikers zu vergleichen. Mystische Erfahrung kann sinnliche Erfahrung einschließen, führt aber grundsätzlich weiter zu einer nicht-sinnlichen Erfahrung der Wirklichkeit.
    Capra leitet aus der Analogie "Das experimentelle Stadium der wissenschaftlichen Forschung scheint der direkten Einsicht in der östlichen Mystik zu entsprechen, und den verschiedenen Weisen, in denen diese Einsichten interpretiert werden." 116 die Wiederholbarkeit mystischer Erfahrung ab. Ich halte das für problematisch. In der Regel ist der Mystiker der extremste Individualist. Er versucht zwar "das Wesen des Universums" zu entschlüsseln und nutzt vielleicht auch manchmal Methoden und Lehren, die systematisch festgeschrieben sind. Die Erkenntnis und die wahre mystische Erfahrung sind jedoch ein absolut individueller Prozeß, der sich jeder Reproduzierbarkeit entzieht. In vielen Schulen und mystischen Richtungen wird der Prozess der Erkenntnis vielmehr als ein "zufälliges" Ereignis betrachtet, das auch den Uneingeweihten, Ungeschulten erleuchten kann. Die Umsetzung dieses Erlebnisses im täglichen Leben macht den großen Mystiker aus und nicht die "systematische Wiederholung der Erleuchtung". Daher kann ich dieser Parallelität nicht zustimmen.
    Ein Weg vieler östlich-mystischer Schulen zur Erleuchtung ist Meditation. Meditation erzeugt ein Gefühl des "Einssein mit Allem" und in der Meditation können leichter mystische Erlebnisse erlebbar gemacht werden. Diese Erlebnisse bieten eine Sicht auf das Wesen der Wirklichkeit. Zu dieser Differenzierung findet auch Capra: "Östliche Mystik beruht auf direkten Einsichten in das Wesen der Wirklichkeit, und Physik beruht auf der wissenschaftlich-experimentellen Beobachtung von Naturphänomenen." 117 Er führt nun weiter aus, daß beide ihre Ergebnisse mit Worten vermitteln müssen und stellt dies als weitere fundamentale Parallelität dar, eine Annahme, der ich für die Mystik nicht zustimmen kann (siehe z.B. 3.5.1). Hier widerspricht sich Capra sogar selbst: "Die direkte Erfahrung der Wirklichkeit geht über Gedanken und Sprache hinaus, und da jede Mystik auf solch einer Erfahrung beruht, kann alles, was darüber gesagt wird, nur teilweise wahr sein." 118
    Mystik ist also durch Sprache schwer zu vermitteln. Trotzdem wurden und werden solche Versuche gemacht (z.B. im Zuge dieser Arbeit). Die Aussagen wurden in Form von Mythen, mittels Methaphern und Symbolen getroffen. Poetische Bilder, Gleichnisse und Allegorien wurden verwendet um mystische Erlebnisse zu kommunizieren. Ein anderer Weg führt über die Verwendung von Paradoxien in der Hoffnung in der Sprache liegende Widersprüche und damit die Grenzen der Sprache zur Mitteilung von Mystik aufzudecken.
    Aus diesem Kommunikationsproblem leitet Capra eine Parallele zur modernen Physik ab: "Zum Beispiel wird dem Hindu durch den kosmischen Tanz des Gottes Schiva dieselbe Vorstellung von Materie vermittelt, wie dem Physiker durch gewisse Aspekte der Quanten-Feldtheorie. Sowohl der tanzende Gott als auch die physikalische Theorie sind Schöpfungen des Geistes: Modelle zur Beschreibung der intuitiven Wirklichkeitserkenntnis ihres Urhebers." 119 Dieser frappierende Ansatz spielt jedoch mit einem grundlegenden Problem: Die Schlußfolgerung ist als tautologisch zu bezeichnen, wenn Aussagen über Mystik, die die Begrenztheit von Sprache zum Ausdruck bringen mit den kaum in Sprache abzubildenden Aussagen der modernen Physik ähnlich sein sollen. Alle Aussagen sind dem ähnlich, was sich nicht aussagen läßt. Daher kann man in diesem Punkt der Argumentation Capras wohl nicht folgen.
    In der modernen Physik stellt sich unserem Jahrhundert das Problem, daß unsere Sprache zur Beschreibung der atomaren und subatomaren Wirklichkeit völlig ungeeignet ist. Das war nach Capras Meinung in der östlichen Mystik immer schon bekannt. Die Weisen des Ostens hatten aber kein Problem damit, die Grenzen der Logik und der normalen Begriffe zu überschreiten. Erst in unserem Jahrhundert gelang es der modernen Physik z.B. die elektromagnetische Strahlung als Teilchen und als Welle zu beschreiben, was im normalen Sprachgebrauch unlogisch erscheint. "Auf dieser Ebene ist das Wissen über die Materie nicht mehr von direkten Sinneseindrücken abgeleitet, und daher reicht unsere gewöhnliche Sprache, die ihre Bilder der Welt der Sinne entnimmt, nicht mehr aus, um die beobachteten Phänomene zu beschreiben. Wenn wir tiefer und tiefer in die Natur eindringen, müssen wir die Bilder und Begriffe der gewöhnlichen Sprache immer mehr aufgeben." 120
    Aus der Konfrontation einer jahrtausendalten, praktisch, pragmatisch ausgeformten Tradition, wie sie im alten China entstanden war, mit den Lehren des Buddhismus, entstand Zen und der Taoismus neuerer Prägung. Capra sieht in der von ihm so beschriebenen Entwicklung eine Parallele zur Konfrontation von Mystik und Physik.
    Ich bin von der befruchtenden Wirkung dieses Denkansatzes überzeugt. In derselben Art und Weise, in der die chinesische Tradition einen ungeheuren Schock-Schub durch den Kontakt mit den mystischen Inhalten des alten Indien erfuhr, kann auch der heutige Mensch in seiner technisch geprägten Welt einen Schub zu einer neuen mystisch-technischen Realität erhalten. Als Medium unserer Tradition muß das Internet aber in der Lage sein, mystische Inhalte zu stimulieren oder zumindest eine solche Stimulanz zu transportieren.
    Aus den verschiedenen östlichen Weltanschauungen zieht Capra quasi als "kleinstes gemeinsames Vielfaches" den Schluß:
    "Das wichtigste Merkmal der östlichen Weltanschauung – man könnte es ihre Essenz nennen – ist das Gewahrsein der Einheit und gegenseitigen Beziehung aller Dinge und Ereignisse, die Erfahrung aller Phänomene in der Welt als Manifestation einer einzigen fundamentalen Identität." 121
    Der westlich aufgewachsene Mensch trennt diese Identität in verschiedene Objekte und Ereignisse des täglichen Lebens. Durch Meditation macht man die Einheit des Universums erkennbar. Diese Einheit ist auch die zentrale Erkenntnis der modernen Physik. Daraus leitet Capra die Parallelität von Mystik und Physik ab. So setzt er z.B. die Aussage Heissenbergs "Die Naturwissenschaft beschreibt und erklärt die Natur nicht einfach so, wie sie >an sich< ist. Sie ist vielmehr ein Teil des Wechselspiels zwischen der Natur und uns selbst." 122 mit den Ansichten des tibetischen Buddhismus, der die ganze Welt als kosmisches Gewebe sieht, gleich. Die Schriften dieser Schule, genannt "Tantras", leiten sich aus dem Wort für Weben aus dem Sanskrit ab. Der Beobachter wird zum Teilnehmer eines Versuchsvorgangs, weshalb nicht wenige moderne Physiker lieber dieses Vokabel gebrauchen.
    Capra erarbeitet schließlich die Parallelität zwischen Mystik, der Relativitätstheorie und in Folge der Quantentheorie. Oft ist die Ähnlichkeit der Aussagen frappierend – so wie Capra sie deutet. Immer bleibt für mich jedoch im Hintergrund, was er selbst zu Beginn der Ausführung definierte: "Das Studium der Welt der Atome zwang die Physiker zu erkennen, daß unsere normale Sprache nicht nur ungenau, sondern zur Beschreibung der atomaren und subatomaren Wirklichkeit völlig ungeeignet ist." 123 Vor diesem Problem steht auch der Mystiker. Er hat eine Erfahrung gemacht. Und zwar eine Erfahrung, die jenseits unseres Begriffs und Denkmusters liegt und daher mit Worten nicht dargestellt werden kann. Diese Parallelität tritt mir aus dem Werk Capras entgegen. Die daraus gezogene Schlußfolgerung nämlich eine zwischen Mystik und Physik bestehende Parallelität, scheint mir nicht eindeutig genug. Zwar sagt der Mystiker, daß letztlich alles eins ist, doch ist das nicht der Argumentationsstrang Capras. Eine Spur dieser Einsicht klingt auch in seinem Schlußwort an "Ich sehe Wissenschaft und Mystik als zwei sich ergänzende Manifestationen des menschlichen Geistes, seiner rationalen und seiner intuitiven Fähigkeiten." 124
    Vielleicht kann aber aus dem Umgang der Physik mit ihrem "Sprachproblem" eine neue Methode entwickelt werden, mystische Erfahrung zu vermitteln. Wenn das gelänge, wäre der Weg zur direkten rationalen Vermittlung von Mystik auch über andere Medien wie das Internet frei. Vielleicht aber ist Mystik, so wie die Erkenntnisse der höheren Physik, nicht vermittelbar. Dann scheidet das Internet als Vermittler aus. Das heißt jedoch nicht, daß es nicht als Stimulanz für Erlebnisse dienen kann, die mystisch sein können.


    __________
    85 Needham, Joseph: "Wissenschaft und Zivilisation in China"; Franfurt am Main 1984; Seite 339
    86 Capra Fritjof: "Der kosmische Reigen" aus dem amerikanischen "The Tao of Physics"; München 1977, Seite 123
    87 Mumonkan heißt soviel wie "Schranke ohne Tor" und wurde vom Mönch Mumon (*1183; +1260 in China) geschrieben.
    88 Suzuki, D. T.: "Zen and Japanese Culture" New York 1959, Seite 16
    89 Hofstadter, Douglas R.: "Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band" Stuttgart 1997; Seite 274f
    90 Koslowski, Peter: "Philosophie, Mystik, Gnosis" in Gnosis und Mystik in der Geschichte der Philosophie herausgegeben von Peter Koslowski; Zürich 1988; Seite 9
    91 Flasch, Kurt: "Meister Eckehart - Versuch, ihn aus dem mystischen Strom zu retten" in Gnosis und Mystik in der Geschichte der Philosophie herausgegeben von Peter Koslowski; Zürich 1988; Seite 95
    92 McGuinness, Brian und Schulte, Joachim: "Ludwig Wittgenstein: Logisch-philosophische Abhandlung Tractatus logico-philosophicus"; Frankfurt am Main 1998; Seite 251f
    93 Flasch, Kurt: "Meister Eckehart - Versuch, ihn aus dem mystischen Strom zu retten" in Gnosis und Mystik in der Geschichte der Philosophie herausgegeben von Peter Koslowski; Zürich 1988; Seite 96
    94 Flasch, Kurt: "Meister Eckehart - Versuch, ihn aus dem mystischen Strom zu retten" in Gnosis und Mystik in der Geschichte der Philosophie herausgegeben von Peter Koslowski; Zürich 1988; Seite 98
    95 Schmid, Georg: "Die Mystik der Weltreligionen - Eine Einführung"; Stuttgart 1990; Seite 16f
    96 Schmid, Georg: "Die Mystik der Weltreligionen - Eine Einführung"; Stuttgart 1990; Seite 44
    97 Joh 3,8
    98 Schmid, Georg: "Spiritualität als Therapie und Therapie als Spiritualität in den Krisen der modernen Zivilisation" in Luzerner Psychotherapie Tage; Bern 1995; Seite 55
    99 Apostelgeschichte 9,8 in "Hausbibel - Einheitsübersetzung des Alten und Neuen Testaments", Freiburg 1988, Seite 1237
    100 Quint, Josef: "Meister Eckehart - Deutsche Predigten und Traktate"; Zürich 1979 Seite 332
    101 Mullins, Phil: "Sacred Text in the Sea of texts: The Bible in North American Electronic Culture" in Ess, Charles "Philosophical Perspectives in Computer - Mediated Communication" New York 1996; Seite 279
    102 Borchert, Bruno: "Mystik"; Königstein 1994, Seite 13
    103 Schrödinger, E.: "Was ist Leben", München 1951
    104 Von Weizäcker, C.F.: "Die Einheit der Natur", München 1974; S35 - 37
    105 Capra, Fritjof: "Der kosmische Reigen" aus dem amerikanischen "The Tao of Physics"; München 1977; Seite 13
    106 ebd. Seite 15
    107 ebd. Seite 16
    108 ebd. Seite 16
    109 ebd. Seite 17
    110 ebd. Seite 20
    111 ebd. Seite 21
    112 ebd. Seite 24
    113 ebd. Seite 26
    114 ebd. Seite 27
    115 ebd. Seite 31
    116 ebd. Seite 33
    117 ebd. Seite 38
    118 ebd. Seite 40
    119 ebd. Seite 42
    120 ebd. Seite 50
    121 ebd. Seite 131
    122 ebd. Seite 141
    123 ebd. Seite 43
    124 ebd. Seite 306