***************************************************************** * * Titel: Wittgenstein im Internet Autor: Frank Börncke, Passau Dateiname: 24-2-96.TXT Dateilänge: 14 KB Erschienen in: Wittgenstein Studies 2/96, Datei: 24-2-96.TXT; hrsg. von K.-O. Apel, N. Garver, B. McGuinness, P. Hacker, R. Haller, W. Lütterfelds, G. Meggle, C. Nyíri, K. Puhl, R. Raatzsch, T. Rentsch, J.G.F. Rothhaupt, J. Schulte, U. Steinvorth, P. Stekeler-Weithofer, W. Vossenkuhl, (3 1/2'' Diskette) ISSN 0943-5727. * * ***************************************************************** * * * (c) 1996 Deutsche Ludwig Wittgenstein Gesellschaft e.V. * * Alle Rechte vorbehalten / All Rights Reserved * * * * Kein Bestandteil dieser Datei darf ganz oder teilweise * * vervielfältigt, in einem Abfragesystem gespeichert, * * gesendet oder in irgendeine Sprache übersetzt werden in * * irgendeiner Form, sei es auf elektronische, mechanische, * * magnetische, optische, handschriftliche oder andere Art * * und Weise, ohne vorhergehende schriftliche Zustimmung * * der DEUTSCHEN LUDWIG WITTGENSTEIN GESELLSCHAFT e.V. * * Dateien und Auszüge, die der Benutzer für * * seine privaten wissenschaftlichen Zwecke benutzt, sind * * von dieser Regelung ausgenommen. * * * * No part of this file may be reproduced, stored * * in a retrieval system, transmitted or translated into * * any other language in whole or in part, in any form or * * by any means, whether it be in electronical, mechanical, * * magnetic, optical, manual or otherwise, without prior * * written consent of the DEUTSCHE LUDWIG WITTGENSTEIN * * GESELLSCHAFT e.V. Those articles and excerpts from * * articles which the subscriber wishes to use for his own * * private academic purposes are excluded from this * * restrictions. * * * ***************************************************************** Im Tractatus finden wir unter der Nummer 6.341 den Eintrag: "Den verschiedenen Netzen entsprechen verschiedene Systeme der Weltbeschreibung" Diese Aussage haben wir - wohlwissend, daß dies aus naheliegenden Gründen eine grobe Verzerrung der ursprünglichen wittgensteinschen Intention darstellen muß - den Seiten der DLWG im World Wide Web (WWW) als Motto vorangestellt. Es muß verblüffen, wir gut dieser Gedanke von Wittgenstein die in den Medien momentan gebetsmühlenartig wiederholte These trifft, wonach sich in der Struktur und Gestalt des Internet eine eigene 'virtuelle' Welt beschrieben findet. Über das Für und Wieder dieser These soll hier nicht weiter nachgedacht werden. Vielmehr wollen wir diesen Gedanken zum Anlaß nehmen, eine momentane Bestandsaufnahme zu versuchen und werden der Frage nachgehen, welche Rolle Wittgenstein derzeit im Internet spielt. Tatsächlich gibt es mittlerweile weit mehr als ein dutzend Seiten im Internet, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der Philosphie oder Person Wittgensteins beschäftigen. Wir wollen nachfolgend diese Seiten in drei Kategorien unterteilen: 1. Seiten mit Zugang zu Quellen und Originaltexten 2. Private Seiten zu Wittgenstein 3. Seiten von Gesellschaften, die sich mit Wittgenstein beschäftigen Vorweggenommen sei der Hinweis, das alle nachfolgend besprochenen Seiten keine dauernde Verfügbarkeit garantieren. Es ist also durchaus möglich, daß einzelne Anbieter ihr Angebot kurzfristig und ohne Vorwarnung oder Angabe von Gründen entfernen. Zum Zugriff auf die Seiten benötigen Sie einen Zugang zum Internet und einen WWW-fähigen Browser wie zum Beispiel 'Netscape', 'Internet Explorer' oder auch 'Lynx'. Eine Einführung in die Bedienung der Programme kann und soll dieser Beitrag nicht ersetzen. Entsprechende Kenntnisse werden vorausgesetzt. 1. Seiten mit Zugang zu Quellen und Originaltexten Die rechtliche Situation bringt es mit sich, daß im Grunde genommen keine originalen Schriften von Wittgenstein im WWW publiziert werden dürfen. Deshalb ist es beinahe unmöglich, auf systematischem Wege ein qualitativ gutes Angebot zu finden, solange es kein offizielles Placet für die Veröffentlichung gibt. Immer wieder tauchen zwar Originaltexte auf, doch wirken diese oft improvisiert und verschwinden dann auch schnell wieder aus dem Angebot. Dieser Umstand vermittelt dem glücklichen Finder fast das Erlebnis, auf eine Seite aus dem 'Untergrund', ähnlich dem Angebot eines Piratensenders gestossen zu sein. Möglicherweise hütet hier ein zu 'wachsames' Auge die Interessen der Nachlassverwalter. Diese Situation ist sicherlich zu bedauern, denn der Wittgensteinforschung kann es eigentlich nur dienlich sein, wenn so viele Texte wie möglich auf maschinenlesbaren Wege dem Publikum zugänglich gemacht werden. Dem stehen aber anscheinend auf anderer Seite eine Reihe von gewichtigeren (finanziellen?) Interessen entgegen. Als negative Folge wird großes persönliches Engagement - welches ja in den meisten Fällen mit dem Erstellen einer Web-Seite verbunden ist - an den Rand der Illegalität gedrängt. Um so mehr mag es überraschen, daß sich eine Adresse mittlerweile ziemlich lange besteht, welche einen Zugang zu der englischsprachigen Version des Tractatus anbietet (http://www.arts.cuhk.hk/Philosophy/Wittgenstein/tlp/). Die Titelseite beschränkt die Benutzung zwar auf 'for internal use only', doch bislang ist der Zugang weltweit freigeschaltet. Zumindest teilweise ist hier der Text als Hypertext aufbereitet worden, doch wird diese Idee leider nur zum Ansatz verfolgt. Das enttäuscht etwas, denn gerade der Tractatus scheint wegen seiner verwobenen und dennoch durchorganisierten Struktur dazu prädestiniert, als Hypertext aufbereitet zu werden. Ein weiteres - grundsätzliches - Problem stellt die Darstellung der im Tractaus enthaltenen Sonderzeichen dar. Zwar ist er Autor um eine Transkription bemüht, doch gerade bei den Formeln kann die Lektüre dieser WWW-Seite das parallele Vorliegen eines papierbasierten Textes nicht ersetzen, was vielleicht auch die Erregung der Nachlaßverwalter etwas in die Schranken weisen mag. Als reine ASCII-Version kann der Tractatus (wieder die englische Version) unter der Adresse http://yara.ecn.purdue.edu/~helz/tractatus/the_tractatus/index.html abgerufen werden. Die von Randall A Helzerman versprochenen Aufbereitung als Hypertext findet momentan leider nur ansatzweise statt. Sollten sich diese Ansätze aber vervollständigen, könnte diese Seite zu einer sehr interessanten Anlaufstelle werden. Nachzusehen lohnt sich also vielleicht. Für die Umschreibung der Formeln gilt ähnliches wie für die voran besprochene Seite. Eine sehr kurze Sammlung ausgewählte Zitate aus den PU sind auf Seite http://ucsu.colorado.edu/%7Ebiggus/wittgenstein.html zusammengetragen. Die graphische Aufbereitung der Seite macht den Inhalt allerdings passagenweise unleserlich, so daß eine Überarbeitung dringend nötig erscheint. Leser, die einen reinen Textbrowser (z.B. Lynx) verwenden, werden mit diesen Problemen freilich nicht konfrontiert. 2. Private Seiten zu Wittgenstein Zur Diskussion lädt das Wittgenstein WWW Message Center ein. Unter http://techline.com/~john7/msgs/msgs.html findet der Leser drei Rubriken "Introductory Questions", "Tractatus" und "Investigations", in denen er Meinungen, Anfragen und Kommentare loswerden kann. Ein umfassendere Einsicht zu dem bestehenden Angebot können wir hier leider nicht vermitteln, weil es zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Beitrages mehrfach technische Probleme gab (auf Seite der Anbieter), die den Zugriff auf die Foren unmöglich machten. Eine ausgesprochen umfassende Sammlung zu Wittgenstein Material im Netz hat Brian W. Carver zusammengestellt. Es macht zunächst etwas Mühe, sich unter http://ea.oac.uci.edu/indiv/bcarver/ludwig.html eine erste Übersicht zu verschaffen, so daß sich der Leser etwas mehr Gliederung wünscht. Doch das Stöbern in der Fundgrube lohnt sich. Neben Biographischen Informationen hat der Autor gerade, was Sekundärliteratur betrifft, eine beachtenswerte Sammlung zusammengetragen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz (Wissen Sie, was Monthy Python zu Wittgenstein gesagt hat?). Darüberhinaus wird ein wenig Bildmaterial zur Verfügung gestellt und - für Weitersuchende besonders interessant - der Zugang zu Mailinglisten beschrieben, die sich mit Wittgenstein beschäftigen. Auch der Laie bleibt von der Teilnahme nicht ausgeschlossen, die nötigen Schritte werden vollständig erläutert. Wechseln wir das Angebot. Nach Eingabe der Adresse http://www.seanet.com/~john7/wittgenstein/ begegnet uns Wittgenstein mit einem Heiligenschein versehen. Die Bildmontage läßt weitere Überaschungen erwarten. Tatsächlich erweist sich der Umgang mit den Schlüsselbegriffen der wittgensteinschen Philosophie auf diesen Seiten als beinahe wohltuend spielerisch und unverkrampft. Zuschriften und Kommentare von Lesern mit bevorzugten Zitaten aus den Texten Wittgensteins lassen das Gefühl aufkommen, hier würden lauter kleine Sprachspiele gespielt. Der Autor der Seiten charakterisiert sich dabei selber offen als das Gegenteil von einem Wittgenstein-Fachmann. Zum Nachdenken und Assoziieren regen seine Seiten aber dennoch an, was schon die Zuschriften in den angebotenen Diskussionsrunden belegen. Allein damit leistet der Autor mehr, als so manch anderes Angebot. 3. Seiten von Gesellschaften, die sich mit Wittgenstein beschäftigen Die Wittgenstein Archive der Universität Bergen, die damit befaßt sind, den kompletten Nachlaß von Wittgenstein auch maschinenlesbar aufzuarbeiten, dokumentieren ihren Forschungsauftrag und Auszüge aus dem Stand der Arbeit unter: http://www.hd.uib.no/wab/ Am interessantesten dürfte für den Leser die Präsentation von Beispieltranskriptionen sein, die deutlich machen, auf welche Weise einmal der Zugriff auf der Korpus des Wittgensteinschen Gesamtwerkes möglich sein wird. Anschaulich wird dargestellt, wie der Text in mehreren Versionen auf unterschiedliche Weise durchindiziert und aufbereitet vorliegen wird. Der Benutzer hat am Ende die Wahl, in welcher Form er den Text benutzen möchte. Eine sicherlich weise Lösung angesichts der oft verkrampft anmutenden Positionenkämpfe um die einzig wahre und richtige Aufbereitung des Nachlasses. Die östereichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft berichtet über das jährlich in Kirchberg stattfindende Wittgenstein Symposium (http://www.sbg.ac.at/phs/docs/alws.htm). Sämtliche zur Teilnahme relevanten Gebühren, Termine und Adressen können so bereits im voraus eingesehen werden. Weiterhin wird kurz auf den Vereinszweck eingegangen und über Hintergründe informiert. Last but not least wollen wir hier natürlich auf die Seiten der Deutschen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft (DLWG) verweisen (http://www.phil.uni-passau.de/dlwg/). Der Leser findet hier nicht nur Leseproben zu allen(!) bisher erschienenen Ausgaben der Wittgenstein Studies. Er erfährt weiterhin aktuelle Nachrichten zu den Aktivitäten der DLWG und hat unbeschränkt Zugang zum sogenannten Forum. An dieser Stelle kann jeder, der sich für Wittgenstein interessiert, eine öffentliche Nachricht hinterlassen und auf diese Weise nach Gleichgesinnten suchen. Vergleichen läßt sich diese Möglichkeit mit derjenigen eines schwarzen Brettes. Auch für graphische Experimente ist Platz. Wer einen Browser benutzt, der die Sprache JAVA unterstützt, kann sich daran versuchen, ein Porträt von Ludwig Wittgenstein mit einem Gummibandeffekt (neudeutsch meist als 'Morphing' bezeichnet) zu verfremden. Nicht zuletzt findet der Reisende auf den Seiten der DLWG alle in diesem Artikel besprochenen Adressen fertig vorbereitet zum Anklicken vor. Das erspart eine Menge Tiparbeit und führt schneller ans Ziel Wenn Sie weitere Entdeckungen machen oder einen Kommentar loswerden möchten, können Sie ja eine entsprechende Nachricht in unserem Forum hinterlassen.