***************************************************************** * * Titel: Ludwig Wittgenstein als Schüler in Linz Autor: Djavid Salehi Dateiname: 15-1-97.TXT Dateilänge: 23 KB Erschienen in: Wittgenstein Studies 1/97, Datei: 15-1-97.TXT; hrsg. von K.-O. Apel, N. Garver, B. McGuinness, P. Hacker, R. Haller, W. Lütterfelds, G. Meggle, C. Nyíri, K. Puhl, R. Raatzsch, T. Rentsch, J.G.F. Rothhaupt, J. Schulte, U. Steinvorth, P. Stekeler-Weithofer, W. Vossenkuhl, (3 1/2'' Diskette) ISSN 0943-5727. * * ***************************************************************** * * * (c) 1997 Deutsche Ludwig Wittgenstein Gesellschaft e.V. * * Alle Rechte vorbehalten / All Rights Reserved * * * * Kein Bestandteil dieser Datei darf ganz oder teilweise * * vervielfältigt, in einem Abfragesystem gespeichert, * * gesendet oder in irgendeine Sprache übersetzt werden in * * irgendeiner Form, sei es auf elektronische, mechanische, * * magnetische, optische, handschriftliche oder andere Art * * und Weise, ohne vorhergehende schriftliche Zustimmung * * der DEUTSCHEN LUDWIG WITTGENSTEIN GESELLSCHAFT e.V. * * Dateien und Auszüge, die der Benutzer für * * seine privaten wissenschaftlichen Zwecke benutzt, sind * * von dieser Regelung ausgenommen. * * * * No part of this file may be reproduced, stored * * in a retrieval system, transmitted or translated into * * any other language in whole or in part, in any form or * * by any means, whether it be in electronical, mechanical, * * magnetic, optical, manual or otherwise, without prior * * written consent of the DEUTSCHE LUDWIG WITTGENSTEIN * * GESELLSCHAFT e.V. Those articles and excerpts from * * articles which the subscriber wishes to use for his own * * private academic purposes are excluded from this * * restrictions. * * * ***************************************************************** [Formale Anmerkung: Im Original durch Sperrung hervorgehobene Wörter werden in GROßBUCHSTABEN wiedergegeben; durch Sperrung hervorgehobene Personenamen werden ohne Kennzeichnung wiedergegeben. Anmerkungen des Bearbeiters bzw. Herausgebers werden durch eckige Klammern gekennzeichnet. Die unvollständigen Literaturangaben bei den Lektüren finden sich so wörtlich in den Jahresberichten.] ----------------------------------------------------------------- - Jahresbericht der Staats-Oberrealschule Linz über das zweiundfünzigste Schuljahr 1902/1903: Zwar besuchte Ludwig Wittgenstein noch nicht die Staats-Oberrealschule in Linz, dafür aber Adolf Hitler (Klasse II A). ----------------------------------------------------------------- - Jahresbericht der Staats-Oberrealschule Linz über das dreiundfünzigste Schuljahr 1903/1904: Adolf Hitler besuchte die Klasse III A. Wittgenstein war zwei Klassen über ihm (V). Seine Klassenkameraden waren: [Die Vorzugsschüler sind mit "*" hervorgehoben; die Schüler, deren Namen eingeklammert wurde, verließen die Schule innerhalb des Schuljahres.] 1. (Binder Franz) 2. Braunsberger Johann 3. Dietscher Gustav 4. Fochler Alfred 5. Führer Ludwig 6. Furiakovics Laurenz 7. (Hörmanseder Maximilian) 8. (Janecek Johann) 9. Keplinger Franz. 10. Krah Robert * 11. Lampl Rudolf 12. (Ludwig Robert) 13. May Oskar 14. Obermayr Johann 15. Plank Wilhelm 16. Ploberger Josef 17. Ploy Hermann 18. Plunder Ludwig 19. Preitner Johann 20. Puxkandl Karl 21. Ramm Albert 22. Ransmayr K. 23. Ritzinger Berthold 24. Scheck Alois 25. Schredt Josef 26. Sommerhuber Alois 27. Stiegler Viktor * 28. Streicher Josef * 29. Taußig Viktor 30. Thalhammer Rudolf 31. Türk Franz 32. Wagenbauer Karl 33. Winter Karl * 34. Wurm K. Personal- und Lehrerstand: [leider unvollständig] - Schuldirektor war Hans Commenda. Bezogen auf die Klasse V: - Engstler Max, k. k. Professor, war Klassenvorstand und unterrichtete in Chemie und Stenographie. - Gißinger Th. k. k. Professor, gab Unterricht in Naturgeschichte. - Groag Jonas, Dr., k. k. Professor, lehrte französisch und englisch. Lektüre neben dem Lesebuch: - Goethe: Reineke Fuchs. - Schiller: Gedichte. - Uhland: Gedichte. - Grillparzer: Gedichte und Prosa. Themen der Aufsätze: Hausarbeiten: - Die Grenzen unseres Kronlandes. (Schilderung.) - Altrömisches Heldentum. (Gezeichnet nach A. Schacks "Triumphator".) - Ursachen der Auswanderungen. - Der Wald ein Tempel. (Vergleich.) - Bilder der Auferstehung im Natur- und Menschenleben. - Die Ankunft Ingos an dem Hof Answalds, verglichen mit der des Odysseus bei den Phäaken. Schularbeiten: - Wie siegt in Goethes Dichtung die Nixe über den Fischer? - Polyphem, das Urbild eines Riesen. - Am Lindenbrunne im Odenwalde. (Ein Situationsgemälde nach dem Nibelungenliede.) - Zur Auswahl: a) Die verschiedene Darstellung des Todes in Geibels Gedicht "Cita mors ruit" und in Krummachers Parabel "Tod und Schlaf". b) Das Leben und Treiben in einer römisch-griechischen Stadt. (Nach Schillers Elegie "Pompeji und Herculaneum".) Schulausflüge und Exkursionen: Zum Maiausflug unternahm die Klasse V - wie aus dem Jahresbericht hervorgeht - eine vom Wetter beeinträchtigte "Partie in das herrliche Johnsbachtal, Mittagsrast beim Donnerwirt, Rückkehr mit dem Abendzuge." Außerdem besuchte die Klasse V den botanischen Garten in Linz und im Rahmen des Chemie-Unterrichts mit Professor M. Engstler das Linzer Gaswerk. Im ganzen zählte die Staats-Oberrealschule Linz zu Beginn des Schuljahres 1903/1904 408 Schüler; am Ende waren es 389. Wittgensteins Vater ("Großindustrieller") trat dem Förderverein "Unterstützungs-Verein für Studierende an der k. k. Staats-Oberrealschule in Linz" als Gründer bei und spendete 50 K. ----------------------------------------------------------------- - Jahresbericht der Staats-Oberrealschule Linz über das vierundfünzigste Schuljahr 1904/1905. Hitler war nicht mehr auf dieser Schule; Wittgenstein besuchte die VI. Klasse. Wittgensteins Klassenkameraden waren: [Die Vorzugsschüler sind mit "*" hervorgehoben; die Schüler, deren Namen eingeklammert wurde, verließen die Schule innerhalb des Schuljahres.] 1. (Braunsberger Johann) 2. Dietscher Gustav 3. Emmerling Alois 4. Fochler Alfred 5. Führer Ludwig 6. Hébert Réné (a. o. Sch.) 7. Krah Robert * 8. Komrs Emil 9. Lampl Rudolf 10. May Oskar 11. Mühlberger Franz 12. Müller Frd. 13. Obermayr Johann 14. Ploberger Josef 15. Ploy Hermann 16. Preitner Johann 17. Puxkandl Josef 18. Ransmayr K. 19. (Ritzinger Bertold [sic!]) 20. Renner Wilhelm 21. Sommerhuber Alois 22. Stiegler Viktor * 23. Streicher Josef 24. Taussig [sic!] Viktor 25. Thalhammer Rudolf 26. Türk Franz 27. Wagenbauer Karl 28. Winter Karl * Personal- und Lehrerstand: [leider unvollständig] - Schuldirektor war Hans Commenda. Bezogen auf die Klasse VI: - Drasch Heinrich, k. k. Professor lehrte darstellende Geometrie. - Engstler Max, k. k. Professor, unterrichtete Chemie. - Gißinger, Th., k. k. Professor, lehrte Naturgeschichte. - Groag Jonas, Dr., k. k. Professor, war Klassenvorstand und unterrichtete französisch und englisch. - König Josef, k. k. Professor lehrte Physik, Lektüre neben dem Lesebuch: Deutsch: - Schiller: Wilhelm Tell. - Goethe: Egmont. - Hebbel: Nibelungen-Trilogie Französisch: - Combe: Pauvre Marcel. Themen der Aufsätze: Hausarbeiten: - Not entwickelt Kraft. - Die Meisterstochter im "Armen Heinrich" von Hartmann von Aue. (Ein Charakterbild.) - "Im Anschluß von allen liegt der Sieg." (Grillparzer.) - Wie stellt Schiller im "Eleusischen Fest" die Entwicklung des Menschengeschlechtes dar? - Götz von Berlichingen charakterisiert nach der Jaxthausenszene in Goethes Schauspiel. - Wie lassen sich die Worte Shakespeares: "Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, durch EIGNE Schuld nur sind wir Schwächlinge" (Jul. Cäsar I, 2) und "Die Sterne, die Sterne bilden unsre Sinnesart!" (König Lear IV, 3) in Einklang bringen? Schularbeiten: - "Der König in Thule." (Situationszeichnung.) - Kaiser Ottos III. Besuch in der Gruft Karls des Großen. (Besprochen nach dem Gemälde von Wilhelm v. Kaulbach.) - Welchen Bestrebungen und Tätigkeiten verdanken wir unsere geographischen Kenntnisse? - Träume und Wundererscheinungen in Goethes "Götz von Berlichingen". - Die romantischen Elemente in Schillers Dichtung "Die Jungfrau von Orleans". Schulausflüge und Exkursionen: Zum Maiausflug fuhr die Klasse VI (zweitägig) "mit Professor Dr. Poetsch und Religionslehrer Brand nach Klaus, marschierte von da über den Ring zum Almsee, wo übernachtet wurde, wohnte Sonntag der vom Religionslehrer Brand zelebrierten Messe an und kehrte über Grünau zurück." Außerdem führte Professor Dr. Poetsch die Klasse VI ins Panorama (Orleans). Mit Professor Engstler unternahm die Klasse VI innerhalb des Chemie-Unterrichts Exkursionen in die Seifenfabrik Estermann, die Lederfabrik im Haselgraben, in die k. k. Tabakfabrik und in die Poschachersche Brauerei. Zu Beginn des Schuljahres 1904/1905 besuchten insgesamt 439 Schüler die Staats-Oberrealschule Linz, am Ende waren es 421. Ludwig Wittgensteins Vater spendete als Gründer-Mitglied des Unterstützer-Vereins 200 K [Das war die zweithöchste Spende; der am meisten gegebene Spendenbetrag betrug 20 K]. ----------------------------------------------------------------- - Jahresbericht der Staats-Oberrealschule Linz über das fünfundfünzigste Schuljahr 1905/1906. Ludwig Wittgenstein war nun in der VII. (und höchsten) Klasse, die er 1906 mit der Maturitätsprüfung abschloß. In der Abschlußjahrgang waren Wittgensteins Klassenkameraden: [Die Vorzugsschüler sind mit "*" hervorgehoben.] 1. Dietscher Gustav 2. Emmerling Alois 3. Fochler Alfred 4. Führer Ludwig 5. Komrs Emil 6. Krah Robert * 7. Lampl Rudolf 8. May Oskar 9. Mühlberger Franz 10. Müller Friedrich 11. Obermayr Johann 12. Ploberger Josef 13. Ploy Hermann 14. Preitner Johann 15. Puxkandl Karl 16. Ransmayr Karl 17. Renner Wilhelm 18. Sommerhuber Alois 19. Stiegler Robert * 20. Streicher Josef 21. Thalhammer Rudolf 22. Türk Franz 23. Wagenbauer Karl 24. Winter Karl * Personal- und Lehrerstand: [leider unvollständig] - Schuldirektor war Hans Commenda. Bezogen auf die Klasse VII: - Drasch Heinrich, k. k. Professor, lehrte darstellende Geometrie. - Gissinger [sic!] Th., k. k. Professor, unterrichtete Naturgeschichte. - Groag Jonas, Dr., k. k. Professor, war Klassenvorstand und lehrte englisch und französisch. - Huemer Eduard, Dr., k. k. Professor, gab Deutsch-Unterricht. - König Josef, k. k. Professor lehrte Physik Lektüre neben dem Lesebuch: Deutsch: - Shakespeare: Hamlet (übersetzt von Schmitz.) - Lessing: Laokoon. - Schiller: Don Carlos. - Grillparzer: Ahnfrau. Französisch: - Taine: Les origines de la France contemporaine. Englisch: - Gatty: Parables from Nature. Themen der Aufsätze: Hausarbeiten: - Inwiefern bedarf der Dichter des Helden und der Held des Dichters? - Wissen ist Macht. - "Wenn ich nicht wirke mehr, bin ich vernichtet." ("Wallensteins Tod.") - Sturm und Drang. - "Viel hat dich der Herr gesegnet, - Doch du darfst auch rühmend sagen, - Daß bei dir die edlen Keime reich und herrlich Frucht getragen." (Grün, "Hymne an Österreich".) Schularbeiten: - Des Glückes abenteuerlicher Sohn, des Lagers Abgott und der Länder Geißel. ("Wallenstein.") - Vorgeschichten von Goethes "Hermann und Dorothea". (Die Familie des Wirtes betreffend.) - Warum ist der Spruch "Ubi bene, ibi patria" zurückzuweisen? - "Wer etwas lernen will, - Der muß dazu drei Gaben - Von oben her, aus sich - Und auch von außen habe: - Die Fähigkeit, die Lust und die Gelegenheit; - Die drei wo fehlen, kommt ein Lernender nicht weit." (Rückert, "Die Weisheit des Brahmanen".) - "Hôhvart dicke strûchen muoz, - si sihet selten an den vuoz!" (Freidank, Bescheidenheit".) Ludwig Wittgenstein hielt außerdem einen freien Vortrag mit dem Titel: "Über die Entstehung der Dampfmaschine." Schulausflüge und Exkursionen: Über den Maiausflug ist im Jahresbericht folgendes nachzulesen: "Die VII. Klasse begnügte sich wegen der nahen schriftlichen Maturitäts-Prüfung mit einem Nachmittagsausfluge unter Geleite des Professors Gißinger über die Koglerau nach Ottensheim. Ein paar kurze Regenschauer, die einzelne Klassen trafen, vermochten die festliche Freude nicht zu dämpfen; abends kehrten sämtliche Teilnehmer wohlbehalten zur Stadt zurück." Die Klasse VII besuchte innerhalb des Naturgeschichte-Unterrichts mit Professor Th. Gißinger dreimal das Museum. Im Rahmen des Physik-Unterrichts besichtigte man am 12. Oktober 1905 den Sternenhimmel. Außerdem wurde am 21. Februar 1906 das Elektrizitätswerk besucht, wo die Luftelektrizität demonstriert wurde. Aufgaben der schriftlichen Maturitätsprüfung 1905/1906: [Die Aufgabenstellungen werden wörtlich aus dem Jahresbericht übernommen. Die Lösungen können bei der Deutschen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft e.V. angefordert werden] Deutsch: Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell. Deutsch-Französisch [Übersetzung]: Im 16. Jahrhundert war das Lateinische alles und mehr als alles das, was das Französische im 18. Jahrhundert war. Es war sowohl die Sprache der Höfe als die der Schulen. Es war die Sprache der Diplomatie, es war die Sprache des theologischen politischen Streites. Da es eine feststehende Sprache war, während die lebenden Sprachen sich noch in einem Zustande des Schwankens (fiuctuation) befanden, und da es den Gelehrten und Gebildeten allgemein bekannt war, so wurde es fast von jedem Schriftsteller angewendet, der nach einer weiten (universel) und dauernden Berühmtheit strebte. Wer nicht Latein kannte, war nicht nur von aller Bekanntschaft mit Cicero und Virgil ausgeschlossen, sondern konnte auch die interessantesten Memoiren und Flugschriften (brochure) seiner eigenen Zeit nicht lesen. Dies ist nicht länger der Fall. Aller politische und religiöse Streit wird jetzt in den modernen Sprachen geführt. Die großen Erzeugnisse des griechischen und des römischen Geistes sind zwar noch immer, was sie waren; aber obgleich ihr positiver Wert sich nicht geändert hat, so ist doch ihr relativer Wert, verglichen mit der ganzen Masse des geistigen Reichtums, den das Menschengeschlecht besitzt, fortwährend gesunken. Sie waren der einzige geistige Besitz unserer Vorfahren, sie sind jedoch nur ein Teil unserer Schätze. Ein Leser unserer Zeit kann sich ohne "Ödipus" und "Medea" behelfen (se passer de), solange er "Othello" und "Hamlet" besitzt, und wenn er nicht die köstliche Ironie Platos genießen kann, so mag er einigen Ersatz (compensation) in der des Pascal finden. Wir machen uns hoffentlich keiner Unehrerbietung (irrévérence) gegen jene großen Nationen schuldig, welchen das menschliche Geschlecht Kunst, Wissenschaft, Geschmack, politische und geistige Freiheit verdankt, wenn wir sagen, daß der Vorrat (Schatz), welcher uns von ihnen vermacht wurde, so sorgfältig vermehrt worden ist, daß die angehäuften Interessen nun das Stammkapital übersteigen. Wir glauben, daß die Bücher, welche in den letzten 300 Jahren in den Sprachen Westeuropas geschrieben worden sind - die Übersetzungen aus den alten Sprachen natürlich mit inbegriffen -, von größerem Werte sind als alle Bücher, welche am Beginne jener Periode in der Welt vorhanden waren. Französisch-Deutsch: St. Marc Girardin, Cours de littérature dramatique. Auswahl aus Kapitel IV. Englisch: Hume, Charakter Edwards III. aus History of England. Mathematik: 1. Man berechne die Wurzelpaare der zwei Gleichungen: 3x² - 6xy + 2y² = 11 und 2xy - 3y² = 8. 2. Jemand nimmt von seinem zu 4% Zinzeszinsen angelegten Vermögen von 50.000 K durch 12 Jahre am Schlusse jedes Jahres 3000 K weg. Wie lange, vom Schlusse des zwölften Jahres an gerechnet, muß er sein Vermögen dann unangetastet lassen, damit es wieder seinen ursprünglichen Betrag erreicht? 3. Von einem schiefen, dreiseitigen Prisma kennt man die Grundkanten BC = a = 17.77 cm, AC = b = 18.6 cm, den von ihnen eingeschlossenen Winkel ( = 22( 10( 40((, ferner die Seitenkante CD = 12 cm und den Winkel ( = 70( 20( 20((, welchen diese Seitenkante mit den Grundkanten CB und CA bildet. Man berechne das Volumen dieses Prismas. 4. Von einer Ellipse kennt man die halbe große Achse a = 5 cm und die Gleichung einer Tangente 16x + 15y - 100 = 0.... (T). Wie lautet die Mittelpunktsgleichung der Ellipse und welchen Winkel schließen die nach dem Berührungspunkte der Tangente gezogenen Leitstrahlen miteinander ein? Darstellende Geometrie: 1. Gegeben sind eine Ebene E und eine Gerade (. Durch ( ist eine Ebene zu legen, welche mit E den gegebenen Winkel ( bildet. ( sei geneigt zu beiden Projektionsebenen, E sei horizontalprojizierend. 2. Eine regelmäßige, sechsseitige Pyramide (Grundkante = 3 cm, h = 9 cm) ist darzustellen, so daß die Grundfläche in der Ebene B (-2, 1, () liegt. Diese Pyramide ist mit der Ebene S (-8, 11, 8) mit Hilfe der Kollineation zu schneiden und der Schlagschatten des Stückes, welches die Spitze nicht enthält, auf beide Projektionsebenen zu konstruieren. Der Mittelpunkt der Pyramidenbasis sei m (2, 2, 3.5). 3. Man beleuchte eine Kugel (R = 4 cm) von einem Punkt aus so, daß der Schlagschatten auf die erste Projektionsebene eine Ellipse und auf die zweite eine Parabel wird. Die Kugel ruhe auf der ersten Projektionsebene auf. Zu Beginn des Schuljahres 1905/1906 besuchten insgesamt 465 Schüler die Staats-Oberrealschule Linz, am Ende waren es 458. Ludwig Wittgensteins Vater spendete als Gründer-Mitglied des Unterstützer-Vereins wieder 200 K. ----------------------------------------------------------------- - Jahresbericht der Staats-Oberrealschule Linz über das sechsundfünzigste Schuljahr 1906/1907. Wittgenstein hat die Schule zwar schon verlassen, in diesem Jahresbericht aber finden sich Informationen über die Maturitätsprüfung des Vorjahres. Heinrich Drasch und Professor Dr. Jonas Groag wurden 1906/1907 in den Ruhestand verabschiedet. Ludwig Wittgenstein legte die Prüfung nach der Mindeststudienzeit von 7 Jahren im Alter von 17 Jahren ab. [Wie man unten sehen kann, war Wittgenstein somit einer der jüngsten seines Jahrganges. Nur zwei seiner Klassenkameraden waren zum Zeitpunkt der Maturitätsprüfung 17 Jahre alt; die meisten waren schon 18 oder 19. Dies ist interessant in bezug auf die Erinnerungen Hermine Wittgensteins an ihren Bruder. Darin heißt es über seine Schülerzeit am "Realgymnasium Linz": "Einer seiner Mitschüler [den Namen erwähnt Hermine Wittgenstein leider nicht] erzählte mir viel später, daß Ludwig ihnen allen wie aus einer fremden Welt herabgeschneit vorgekommen war. Er hatte ganz andere Lebensformen als sie, redete z.B. seine Mitschüler mit (Sie( an, schon das allein wirkte wie eine Barriere; auch seine Interessen, seine Lektüre etc. waren gänzlich von den ihrigen verschieden. Vermutlich war er etwas älter als die Buben seiner Klasse und jedenfalls ungleich reifer und ernster." Quelle: Wittgenstein, Hermine, Mein Bruder Ludwig; in: Rhees, Rush (Hrsg.), Ludwig Wittgenstein: Porträts und Gespräche, Frankfurt 1987, S. 21/22.] In der Spalte "gewählter Beruf" steht Wittgenstein "Physik", was in diesem Jahrgang nur auf ihn zutrifft. [Rush Rhees schreibt: "Mir hat Wittgenstein gesagt, ursprünglich habe er die Universität Wien besuchen und dort ab Wintersemester 1906/7 bei Boltzmann Physik studieren wollen. Boltzmann starb jedoch im Sommer 1906. Danach habe er den Gedanken an das Physikstudium fallengelassen und sei statt dessen nach Berlin gegangen, um dort das Ingenieurstudium aufzunehmen." Quelle: ebd., S. 22.] Es folgt eine Namensliste der 1905/1906 approbierten Abiturienten: [Die erste Zahl gibt das Alter an, die zweite Zahl die Studiendauer. Im Jahresbericht folgt eine mit "Gewählter Beruf" überschriebene Spalte, deren Zeilen ebenfalls übernommen werden. Die Schüler, deren Namen mit "*" hervorgehoben sind, erlangten den Reifegrad mit Auszeichnung.] 1. Emmerling Alois, Linz, 19, 8 [gestorben am 20. August 1906.] 2. Fochler Alfred, Gnigl, Salzburg, 18, 8, Technik. 3. Führer Ludwig, Graz, Steiermark, 18, 7, Bodenkultur. 4. Komrs Emil, Wien, Niederösterreich, 18, 8, Technik. 5. Krah Robert *, Pregarten, 18, 7, Technik. 6. Lampl Rudolf, Wels, 19, 7, Militär. 7. May Oskar, Linz, 18, 8, Kaufmann. 8. Mühlberger Franz, Steyregg, 19, 8, Beamter. 9. Müller Friedrich, Linz, 18, 8, Beamter. 10. Obermayr Johann, Eferding, 18, 7, Chemie. 11. Ploberger Josef, Windischgarsten, 18, 7, Beamter. 12. Ploy Hermann, Menning, 19, 8, Militär. 13. Preitner Johann, Hallein, Salzburg, 17, 7, Technik. 14. Puxkandl Karl, Grieskirchen, 17, 7, Chemie. 15. Ransmayr Karl, Linz, 19, 9, Elektrotechnik. 16. Renner Wilhelm, Mondsee, 19, 8, Technik. 17. Sommerhuber Alois, Tragwein, 19, 7, Beamter. 18. Stiegler Robert *, Ybbs, Niederösterreich, Beamter. 19. Streicher Josef, Wien, 18, 7, Beamter. 20. Thalhammer Rudolf, Peuerbach, 19,7, Technik. 21. Türk Franz, Wien, Niederösterreich, 18, 7, Beamter. 22. Wagenbauer Karl, Grundlsee, Steiermark, 19, 7, Marine. 24. Winter Karl *, Ebensee, 18, 7, Bergakademie. 25. Wittgenstein Ludwig, 17, 7, Physik.